Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3129675-3129704-3129714--0849-3132230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
210 Zur Israelitischen Geschichte. menschliche Fassungskrast erhaben ist, wie das die Quellen der israelitischen Religion ganz unumwunden aussprechen. Sogar Moses strebt vergeblich darnach, eine volle Erkenntniß des Angesichts Gottes, wie es in der Schrift heißt, zu erlangen, und muß sich mit der Kehrseite begnügen, die wiederum, selbst nur ein Bild, durch die in der Weltregierung erkennbaren Wirkungen und Eigenschaften des höchsten Wesens erläutert wird. (Lxoä. XXXlII., 12 ff.) Keine Stelle in der ganzen h. Schrift enthüllt wie diese in wenigen Worten den Kern der Lehre, welcher in dem Israelitischen Volke so tief gekeimt und Wurzel geschlagen hat, daß alle Schicksale des Stammes ihn nicht zu vertilgen vermochten. Dies erhabene Bild rechtfertigt unsere Ansicht von allen übrigen Vorstellungen der h. Schrift, die wir niemals in ihrem Wortsinne nehmen können, ohne uns von jener Grundlage zu entfernen, und uns auf einen andern Boden zu verpflanzen. Wir glauben sogar, daß ursprünglich alle heidnischen gottesdienstlichen Einrichtungen von derselben Grundlage, wenn auch unbewußt, ausgegangen waren, und daß sie bloß deßhalb so sehr von der Wahrheit abwichen, weil sie ihren Ursprung außer Augen ließen, die unerläßliche Bildersprache als den Ausdruck des inneren Wesens behandelten, und die Bilder äußerlich verwirklichten, so daß der verhüllte Kern ihnen niemals zum Bewußtsein kam. In der Israelitischen Lehre steht die Grundlage fest und unerschütterlich, und die dichterische Sprache hat volle Freiheit sich zu entfalten, unter der Voraussetzung, daß selbst bei dem unwissenden Volke, welches durch phantasiereiche Vorstellungen wohl hie und da von der Wahrheit abirren kann, die Wahrheit sich dennoch immer wieder Bahn brechen werde. Hätten die Israeliten, wie es die Absicht bei ihrer ersten EntWickelung gewesen zu sein scheint, sich in gänzlicher Abgeschiedenheit von der Welt ausbilden können, so wäre ihre Lehre durch den innern Kampf sehr bald zu einer vollen Abklärung gelangt, und das wachsende Bewußtsein hätte den reinen Glauben von der menschlichen Beimischung geschieden. Allein das ist in den gegenseitigen Berührungen der Völker eine gänzliche Unmöglichkeit