Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Israelitischen Geschichte. 209 Wie läßt sich dies unbekannte Innere ausdrücken, beschreiben? wie heißt dies unzerstörbare Wesen, das allen Schicksalen Trotz zu bieten scheint? Wir können es nirgends anders finden als im Geiste, und zwar in seiner völligen Reinheit, unvermischt mit Sinnlichem; denn alles Sinnliche stirbt ab und mit andern Sinnenseindrücken ändert sich der von jenen abhängige Geist. Völker, deren Geist mit dem Boden verbunden ist, gehen unter, sobald sie diesem entrückt werden, ebenso alle die auf äußere Hülfsmittel sich stützen, sobald diese wanken oder weichen. Der Charakter Israels ist sein Glaube; nicht die Annahme erzählter Ereignisse, denn echte und als gläubig anerkannte und verehrte Israeliten legen vielen derselben nur sinnbildliche Bedeutung bei, sondern das Vertrauen auf die eigene Festigkeit, gegründet auf geschichtliche unzweifelhafte Vergangenheit und auf eine aus ihr sich ergebende Hoffnung. Aus diesem Glauben entsprießt des Israeliten sittliches Dasein, ihre Ledensrichtung unter allen Erscheinungen, welche die Zeit ihrem Aeußern aufdrückt, das Element, in welchem sie als Gemeinschaft sich bewegen. Welches ist nun aber dieser Glaube? Wie kleidet er sich im Worte? Wie sichert er sich vor Mißverständniß? vor Mißbrauch? vor absichtlichen und unabsichtlichen Umwandlungen, die ihn zuletzt gänzlich in andere Formen versenken, und bewirken, daß er verschwinde oder untergehe? Wie tritt der Glaube in die Erscheinung? Wie giebt er sich in seiner Reinheit zu erkennen? — Diese Fragen sind Euer, ihr wahren Volkslehrer Israels, denn von ihrer klaren, unzweideutigen Beantwortung hängt euer Wirken, hängt der Segen eures Wirkens ab. 3. Die Art und Weise, wie das Verhältniß des Menschen zur Gottheit, und das Wesen der Gottheit selbst bildlich dargestellt wird, übt einen unendlichen Einfluß auf die sittliche Haltung der Gesammtheit aus, welche in der bestimmten Form ihre Befriedigung sucht und findet. Wir sagen bildlich, denn von einer wirklichen Vorstellung kann die Rede nicht sein, da wo der erste Begriff, die Gottheit, über alle