Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Zur Israelitischen Geschichte. auf sie hinschauen, und an ihrer Stirn mit schmerzlichen Empfindungen lesen, wie die Unnatur sich selbst strafe, und ein ewiges Zeugniß ublege von der Wirkung geistiger Verdorbenheit. Es giebt Denker, welche, mit Haß erfüllt, alle Waffen gegen sie wetzen, um sie zu vernichten! Vergeblich mühen Verachtung und Liebe und Haß sich ab, um die Geschichte nach ihrem Sinne umzugestalten, und in die unerforschlichen Gesetze der höchsten Weisheit einzugreifen. Die Mannigfaltigkeit geistiger Entwicklungen ist, wie die der sichtbaren Geschöpfe, das Wesen der Natur, und wie hier jede Gestaltung, so sehr wir sie unbequem unsern Zwecken, ja unserm Dasein feindselig finden, als das Werk der unergründlichen Weisheit verehrt werden muß, so fordert noch mehr der Geist, welcher selbstständig vorschreitet, mit Bewußtsein wirkt und sich unendlich mannigfach entfaltet, die ernsteste Würdigung. Wäre das Unbegreifliche, Unerklärliche —Unnatur, so wäre es die ganze Natur mit allen ihren Bildungen! Die Geschichte soll sich frei halten von vorgefaßter Ansicht, von Empfindungen einseitiger Zu- oder Abneigung. Sehen soll sie, beobachten, die Entwickelung aus ihren ersten Keimen herleiten, in ihrem Gange verfolgen, ihren fernern Ausgang möglichst berechnen oder nach allgemeinen Gesetzen andeuten. Das ist ihr Beruf. Wie der Forscher sein Auge öffnet, um die große, weite, unermeßliche Welt, so weit uns der Blick gestattet ist, zu erkennen; wie es ihn mahnt, sich nicht mit dem ersten Sinneneindrucke zu begnügen, sondern in die Gesetze der unendlich vielen, in einander greifenden Tätigkeiten und Bewegungen, auf- und abtretenden Erscheinungen, nach Kräften einzudringen, wenn ihm auch der letzte Zweck des Ganzen und der einzelnen Theile verhüllt bleibt, — so fordert die Geschichte der Menschheit, und die jedes Volkes, ja auch jedes Menschen, so sern dessen Dasein und Wirksamkeit einen bemerkenswerthen Einfluß geübt hat, dieselbe unbefangene Beobachtung, dieselbe Beziehung des Einzelnen auf's Ganze. Mit Recht hat man die Geschichte der menschlichen Gesellschaft die Weltgeschichte genannt, denn der Mensch sieht sich hier nur als den Mittel-