Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Israelitischen Gejchichte. 207 Punkt aller ihm zugänglichen sittlichen Zwecke des Weltalls, und betrachtet die Entwicklung seines eigenen Wesens nur nach den Gesetzen des Ganzen, in welchem wir als Einzelwesen kaum sichtbar sind. Wir haben für uns selbst nur Werth, in so sern wir mitten in dem unermeßlichen All, in der stetigen Bewegung unfreier Elemente, ein höheres geistiges Leben, ein sittlich freies, erkennen und wahrnehmen, dessen Entfaltung zwar von dA Außenwelt bedingt ist, aber innerhalb der uns gesteckten Gränzen doch noch einer Selbstbestimmung Raum giebt, deren Keime und Wachsthum wiederum unendlich viele Erscheinungen darbieten, untereinander von geistigen Elementen wie von irdischen Trieben und Einflüssen abhängig. Die Geschichte ist nicht eine Erzählung vieler Begebenheiten und ihres zeitlichen und räumlichen Zusammenhanges für die bloße Neu- und Wißbegier, oder für die Lebensklugheit, oder selbst für die sittliche Entschließung; sür alles dieses wird sie niemals eine ausreichende Befriedigung geben; sie ist vielmehr das wahre Gebiet unsers Geistes, die Welt unsers Wirkens; wir haben jeder Einzelne in ihr unsern Platz, unser Amt, und wir entsprechen nur unserm Wesen, wenn wir uns in diesem Gebiete, umsehen, weniger um alles außer uns zu erkennen, als um uns selbst in dem großen Ganzen, nach Maßgabe unsrer Anlagen, zu begreifen, und in demselben unserm Berufe entsprechend zu wirken. Der Unterschied der Betrachtungsweise zeigt sich darin, daß wer mit diesem Streben daran geht, den eigenen Neigungen, Wünschen und vorgefaßten Meinungen Schweigen gebietet, und mit der größten Unbefangenheit allen wechselnden Erscheinungen, jede in ihrer geschichtlichen Berechtigung beachtend, folgt, ihre eigenen Umwandlungen genauer beobachtet und nach natürlichen Gesetzen zu erklären sucht. Die edleren Leidenschaften oder vielmehr die sittlichen Empfindungen, welche wir niemals unterdrücken, ohne zugleich unsre Natur zu verleugnen, finden in der Geschichte die stärkendste und gesündeste Nahrung, aber nur in so fern diese uns selbst mit sittlicher Kraft und Selbstständigkeit des Charakters ausrüstet, nicht aber einen Zunder, um in uns