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Der israelitische Volkslehrer · 1853-08-01 · Heft 8 (August 1853) · page 23

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 8 (August 1853)
Date
1853-08-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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räthlich oder nicht? 199 werden; daß man endlich, um fromm zu handeln, doch wohl wissen müsse, worin dies bestehe; was man im Einzelnen und bei Pslichtencollisionen zu thun und zu meiden habe, welches bei der zarten Jugend durch Auswendiglernen nimmermehr erzielt wird. So erübrigt mir nur noch auf die Grundlosigkeit der Befürchtung hinzudeuten, daß durch die geweckte Selbsttätigkeit die Autorität des Höherstehenden sinke und die Jugend nicht die Art kennen lerne, wie man zum Wissen gelange. Es ist wahr, beim katechetischen Verfahren glaubt das Kind, die Wahrheit selbst gefunden zu haben; es freut sich darüber und gewinnt den Gegenstand lieb; nimmer aber wird es deßhalb dem Lehrer, der den Hebammendienst bei dem Hervorbringen seiner Gedanken verrichtet, für gering und sich für eben so kundig auf dem Gebiete des Wissens halten. Die Sicherheit womit der Lehrer austritt, gegenüber seiner Ungewißheit, selbst da, wo es die Wahrheit ausgesprochen, zeigt von seinem Bewußtsein hinsichtlich des Lehrers Ueberlegenheit; auch gibt es selbst beim entwickelnden Unterrichte der Fälle genug, wo der Lehrer zu geben hat und also seine Autorität geltend machen kann. Und wäre es auch nicht, mag immerhin dessen Autorität vom Throne steigen, wenn die Vernunft ihn in Besitz nimmt die Persönlichkeit in den Hintergrund treten, wenn die Sache Berücksichtigung findet. Da einmal in unserer Zeit nicht mehr zu hoffen ist, daß bei dem geringsten Gewissensscrupel der Beiratp des Rabbiners eingeholt wird, d. i. Nl^tt!? (casuelle Anfragen) gemacht werden, so wollen wir mittelst einer entwickelnden Methode dahin wirken, daß nötigenfalls Jeder sich selbst die richtige Antwort geben könne, daß er auf eigenen Füßen stehe; die Wahrheit möge aus den eignen Säften und Kräften hervorgehen, und nur so viel Sonnenschein und Regen werde gegeben, als zur Befruchtung der vorhandenen Kräfte nöthig ist. Selbsttätigkeit übt und stärkt, wie die körperlichen, so die geistigen Kräfte des Kindes. Auswendiglernen kann wohl aus dem Kinde eine fertige Sprachmaschine, aber nie ein grundsätzlich und willenskräftig handelndes Wesen bilden; das Leitseil hindert das

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