Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 8 (August 1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Ist entwickelnder Religionsunterricht lassen, unterworfen, wenn dem Menschen die Fähigkeit abgeht, mittelst eignen Nachdenkens das Richtige einzusehen, die vorgemachten Trugschlüsse in ihrer Nichtigkeit zu erkennen. Blos vordocirte Mitteilungen, unverstandene Bibelstellen — nur durch Entwicklung ihres Inhaltes werden sie verständlich — genügen nicht. Der Glaube ans Positive kann sinken, er ist vielfach gesunken, man schwört nicht mehr auf die Richtigkeit jedes dogmatischen Satzes, jeder Wundererzählung, und auch das Volk erfährt im Umgange und durch Lektüre die Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des für Heiliggehaltenen. Entbehrt nun der Zögling der Fähigkeit des Urtheils und des Selbstdenkens, ist da nicht zu befürchten, daß er mit dem Ballaste auch Werthvolles und Kostbares über Bord wirft, zumal die jüdisch-häusliche Erziehung so mangelhaft, die Kenntnisse der Eltern selbst, die etwa vor religiös sittlichen Verirrungen schützen könnten, so unvollkommen und unklar, deren Thun und Treiben nur das Werk unbewußter Gewohnheit, selten eines deutlich gedachten Grundsatzes ist? Wird aber befürchtet, daß durch die Methode der Selbstentwicklung das Kind eine Geistesbildung und Geistesrichtung empfange, die nothwendig das Verlassen mancher positiven Lehre zur Folge habe, so frage ich, ob deshalb die Denkkraft vernachläßigt werden solle, damit ja keine mit freierer Anschauung in Disharmonie stehende Observanz und Satzung schwinde, Alles und Jedes stereotyp bleibe? Es ist aber dabei zu erwägen, daß das Zeitbedürfniß, der Gang der Geschichte die angegriffene Methode geschaffen, das Zeitbedürfniß und der Geschichtsgang aber auch ohne Mithilfe der Schule, wenn auch etwas später, die vor dem Forum des Geistes als unhaltbar befundenen Vorschriften in das Reich der Vergessenheit führen würden; und dann, daß das Judenthum eine Religion der Vernunft sei, die durch ein entwickelndes Verfahren Nahrung und Kräftigung erhält; daß wenn durch die in Frage schwebende Unterrichtsweise auch manche Lehre fällt, dafür andererseits der Jrrthum und die Unwissenheit — die starken Quellen so vielen Unheils und Unrechts, (ttvN "lv PNI "NON fNNN tt!?) beseitig^