Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 8 (August 1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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räthlich oder nicht? t97 Denken, und nur solches soll erzielt werden, führt nirgends zur Anmaßung, es ist deren Todfeind. Wollen Sie aber wissen, geehrtester Herr! wie Sie dem Absprechen Schloß und Riegel vorlegen können? Schließen Sie die Schulen, lassen Sie keinen Religionsunterricht ertheilen, dann kann die Jugend nicht mitsprechen. Beseitigen Sie die Halbbildung unserer Zeit überhaupt, wie sie meist der kleinstädtischen Jugend zu Theil wird, die, blos „von der Kultur beleckt", an allen Wissensfächern nascht und keinem vollkommen gewachsen ist; schaffen Sie eine solche staatliche Einrichtung, an der nichts auszusetzen, so daß bei dem Raisonnement über staatliche Zustände die Jugend nicht versucht werde, Kritik auch an den religiösen Institutionen und Lehren zu üben, und stellen Sie endlich eine mit den Anforderungen der Vernunft an Form und Inhalt übereinstimmende Religion her, oder dekretiren Sie einen blinden Glauben! — Die Jugend hat „Warum" fragen gelernt, sie forscht nicht selten nach Grund und Ursache so mancher im Nimbus der Heiligkeit auftretenden Satzung und findet nirgend eine befriedigende Lösung. Ist es Anmaßung, wenn Sie fragt, welche Bewandniß es habe mit dem j'^'LNN 2^z? und dem Omerbart? Soll Sie nicht fragen, wie die Anziehungskrast der Erde mit der Himmelfahrt des Elias, das Dasein Amerikas mit der biblischen Ansicht von der Flächengestalt der Erde zu vereinigen sei? Wollten Sie, ein denkender Rabbiner der Neuzeit, das p^nn P OD'N 1ZW (entfernt eure Kinder vom Nachdenken) wieder zur Geltung bringen, das Mwi j'w (es ist nicht gestattet, über die Worte des Lehrers nachzudenken) wenn auch in modifizirter Gestalt, wieder einführen? Erfassen Sie doch das Leben, für das wir die Jugend zu bilden haben. Es ist kein geschlossener Raum, keine gewählte Gesellschaft, wohin wir unsere Zöglinge führen können. Sind sie nun nicht der Gefahr Preis gegeben, gegenüber den vielen Seelenjägern, gegenüber den zahllosen Verlockungen und Versuchen, die ihnen im Strudel des Lebens sonst auf jedem Schritte entgegenkommen, zu unterliegen? Denn jedes Wissen ist unsicher und der Möglichkeit, es als Jrrthum fahren zu