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Der israelitische Volkslehrer · 1853-08-01 · Heft 8 (August 1853) · page 18

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 8 (August 1853)
Date
1853-08-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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!94 Ist entwickelnder Religionsunterricht wendigkeit, daher ich sofort Angesichts des so eben gelesenen Aufsatzes zur Beleuchtung der Irrfahrten des Herrn Verfassers schreite, von der Biederkeit desselben erwartend, daß er meine reine Absicht zu würdigen verstehe. Vor Allem fehlt der Herr Verfasser, daß er die angeführten drei Erkenntnißquellen als gleichwichtig neben einander reiht, ja, wenn wir ihn recht verstanden, dem ersten — dem Auswendiglernen — den ersten Platz einräumt. Bei geringem Nachdenken ergibt sich nämlich, wie sie das geringste Facit im Wissen des Menschen ausmacht, wie das von ihr zugeführte Material nur dann im menschlichen Geiste bleibende Aufnahme findet, wenn es sich mit dem vom selbsteignen Denken Erzeugten zu assimiliren, durch Verstandes-Operationen sich zu verinnerlichen vermag, mithin überall Selb st denken nothwendig ist, soll das durch Auswendiglernen oder durch Hilfe mündlicher Mittheilung Erhaltene zum unverlierbaren Eigenthume unseres Geistes werden. Was ohne Vermittlung des Selbstdenkens der Gehirnmasse sich einprägt, geht eben so leicht wieder verloren, als es überkommen, oder bildet todte, unfruchtbare Samenkörner in dem Speicher unseres Kopfes. Gesetzt indessen, Schriftthum und vorsagender Unterricht wären eine gleich ergiebige Quelle unserer Erkenntnisse wie das Selbstdenken, so kann dieselbe denn doch unmöglich eine absolut nothwendige sein, da es Zeiten gab, wo man wohl alles Schriftthum, nicht aber das religiöse Wissen entbehrte; da es Personen gab — ich erinnere nur an Abraham — die ohne Schriftthum und Unterricht Heroen der Religion und Kenner deren Wahrheiten wurden, lediglich in Folge eigenen Nachdenkens, während die Geschichte wohl schwerlich das Gegentheil erweisen wird. Wäre nicht die große Masse denkfaul und mittelmäßigen Geistes, wären vielmehr alle Menschen leicht zum Selbstdenken zu bringen, so dürfte der ganze Religions-Unterricht, wenn nicht völlig aus der Reihe der Unterrichtsdisciplinen gestrichen, so doch in kurzer Frist erledigt sein, ohne mündliche Mittheilung und ohne Schriftthum, während der fleißigste aus Mittheilungen und Lehrbüchern vermittelnde

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