Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 8 (August 1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3129675-3129704-3129713--0819-3132199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
bei den Israeliten der neueren Zeit. gleich Moses wendeten sie sich in Liebe zu ihren Brüdern, bei ihnen auszuharren, ihre Befreiung aus b ü r g e r l ichen Fesseln zu erkämpfen, ihren Einzug in das Land einer besseren Zukunft vorzubereiten durch die Erlösung aus den Banden geistiger Knechtschaft, worein die vergangenen Jahrhunderte sie geschlagen. — Lange nun hatten diese Bestrebungen, sich dem Europäischen Völkerleben in würdiger Weise anzuschließen, unter den Juden Wurzel gefaßt , lange schon hatten sie die Anfrage gestellt: haben wir, unter Uebernahme aller Pflichten, nicht auch vollen Anspruch auf den Besitz aller Rechte? bevor der Staat darauf antwortete, bevor er den Juden jene würdige Stellung nur in Aussicht stellte, nach welcher sie sich, aus ihrem Sonderleben mehr und mehr heraustretend , von ganzem Herzen sehnten. Längst schon war Vielen der Geist frei geworden, und noch mußte der Jude den Leib verzollen; längst waren Viele von ihnen Führer der Jugend auf dem Gebiete deutscher Bildung und Wissenschast geworden, und noch mußte der Jude eine alte Christenfrau zum Geleite durch fremde Städte nehmen; längst schon hatten Viele die Welt im Geiste erobert und im erweiterten Herzen umschlungen, und noch wurde der Jude allnächtlich in die Judengasse eingeschlossen — traurige Gegensätze!— und sie wären vielleicht noch nicht gelöst, wenn nicht dem mächtigen Umschwünge der Ideen ein gleich mächtiger Umschwung der Ereignisse sich zugesellt. Die großen Veränderungen, welche am Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts Europa umgestaltet haben, mußten notwendig auch auf die Schicksale der Juden einen großen Einfluß ausüben; und als auch in Deutschland der Feudalstaat zusammenbrach, da mußten auch die Kammerknechte des Kaisers eine andere Stellung bekommen. Sie mußten Unterthanen , sie mußten Bürger, sie mußten eingelebte Glieder des allgcmeinen Organismus werden; draußen vor der Thüre konnte man sie nicht mehr stehen lassen. So sprach die Staatsllugheit, so die harte Nothwendigkeit, so die milde Humani t ä t. DM Juden aber zum Mitgliede des Staates. machen,