Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 8 (August 1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M Die Umgestaltung der religiösen Zustände deren Frucht erst die Nachwelt genießen sollte. Dieses bedeutungsvolle Streben ging namentlich von Berlin aus. Wenn auch Friedrich der Große sich wenig um deutsche Literatur und noch weniger um die durch dieselbe geweckte geistige Erttwickelüng der Juden bekümmerte, so wurden beide dennoch durch ihn, durch die freiere Richtung, welche die Nation durch seinen befreienden Geist genommen hatte, außerordentlich gefördert. Moses Mendelssohn, wenn auch kein Schulmann von Fach, ist doch auch hier der Vormann, durch seine hochdeutsche Übersetzung mehrerer Bücher der heiligen Schrift, namentlich des Pentateuchs und der Psalmen, mächtig auf die Volks- und Jugendbildung einwirkend. Und wenn auch in seiner Zeit der starre Nabbinismüs, in gerechter Eonsequenz , in der natürlichen Voraussicht, daß mit Ablegung dös alten Jargon die Seele des Juden allmählig aus der Verkümmerung, aus dem Garn und Band des alttalmudischen Systems sich befreien würde, die Benutzung der Mendelssohn'schen Uebersetzüng zu hindern bemüht war, sie verpönte, verbannte: so wurden doch jene Bannstrählen gegen das rein deutsche Wort ganz vergeblich geschleudert, und gab es bald keinen jüdischen Dorflehrer mehr, der nicht seinen Stolz darein setzte, hochdeutsch zu unterrichten und „nach Moses aus Dessau^)" , ,Mume8ek" zu lehren. — In Mendelssohns Geiste, jedoch in praktischer Betätigung die meisten über ihn hinausgehend, wirkten dann, thcils für, Wils an der Schule, Zettgenossen und Nachfolger, als: Friedländer, Euchel, Wolfssohn, Wessely, Löwe, Jakobsohn, Creizenach, Johlsohn, Heß, Kley, Jost, Zunz u. A. — Männer, welche eine große Zeit repräsentiren, von denen Manche jeder Universität zur Zierde gereicht hätten, von deren Freunden und Genossen auch Einige, des Judenthums und seiner Zwiste müde, uns den Rücken zugewendet haben, um auf dieser oder jener Lehrkanzel deutscher Hochschulen ihrer Bruder und ihres Elends zu vergessen; jene Männer aber — *) Mendelssohns Geburtsort. — Pentateuch.