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Der israelitische Volkslehrer · 1853-07-01 · Heft 7 (Juli 1853) · page 27

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 7 (Juli 1853)
Date
1853-07-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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IRI
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Eine Erzählung. 175 ren Nachforschungen; Niemand wollte das Kind außer der Synagoge, weder lebend noch todt gesehen haben. In Kriegszeiten verschwimmen die Begebnisse Einzelner in der Fluth der großen Ereignisse. Jeder hat da mit sich zu thun. Keine Spur des Vermißten ergab sich. Die Hälfte seiner Wimpel, welche das spähende Auge des Vaters aus dem Gewirre der Synagogenzerstörung hervorgesucht hatte, war das Einzige, was ihm das hier Vorgegangene ahnen ließ. Dieses vordere Wimpelstück bewahrte er aber mit solcher Sorgfalt, als wäre es ein von seinem Kinde ihm mit Bedacht hinterlegtes Andenken. Beständig hatte er es bei sich, und weder Kleiderwechsel noch sonstige Beschäftigung vermochte es seiner Aufmerksamkeit zu entziehen. Bon zärtlich geliebten Wesen wird uns ja auch Lebloses überaus Werth. Es knüpfen sich so viele Erinnerungen daran, und unsere Einbildungskraft erbauet sich darauf eine Welt der Vergangenheit und der Zukunft. Das Unglück aber kommt nie allein. Der Verlust der beträchtlichen Lieferung, wovon er selbst noch den größten Theil schuldete, die Wegnahme seiner bedeutenden Futtervorräthe in der Stadt durch den Feind, der große Beitrag zu der Kriegs-Contribution und die durch die Kriegsläufte entstandene Noth, welche fast alle Außenstände uneinbringbar machte, dieß Alles brachte Falk in große Enge. Das blieb auch nicht lange Geheimniß. Ungestüme Forderer stellten sich ein. Was that Falk? Er stellte mit Zuziehung eines Rechtskundigen seine Schulden und sein Vermögen zusammen, dessen Ergebniß ein ziemliches Gleichgewicht war. Darauf verkaufte er sein Haus und alles Entbehrliche und befriedigte seine Gläubiger auf Heller und Pfennig. — Arm, wie er nun war, trat Falk auf den Wunsch der Gemeinde die erledigte Stelle eines Vorsängers, Schächters und Lehrers wieder an und fand dabei Brod und Zufriedenheit. „Fehlt's überall, so kommen wir wieder aufs Lehren zurück," ( ^VNQ >1DN) schrieb er scherzend einem befreundeten Lehrer, bei dem er sich über einen Lehrgegenstand Raths erholt hatte. — Zu Recha, seiner Frau, die durch ihre geschickte Hand gleichfalls zur ehrbaren Erhaltung des Hauses mitwirkte, Pflegte er oft zu sagen: „Sieh', wie gut ist's, daß wir beide in der Jugend etwas gelernt haben. Das ernährt und hält uns aufrecht!" Auch der Gram über den Verlust seines Sohnes milderte sich allmählich. Die Wucht des Unglücks, das über ihn hereingebrochen, hatte wohl Anfangs seine sittliche

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