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Der israelitische Volkslehrer · 1853-06-01 · Heft 6 (Juni 1853) · page 19

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 6 (Juni 1853)
Date
1853-06-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Eine Erzählung. 147 und übten dabei mächtigen Einfluß auf häusltchen Frieden und Kinvererziehung aus; und zwar nicht selten im schlimmen Sinne, namentlich, wenn sie, wie R. Gerson, noch Junggesellen waren, und so, ohne eigenen Hausstand, sich viel um andere Familien bekümmerten und die Chroniken der Gemeinde waren. — Zu dem lernenden Vorsänger nun trat bescheiden Frau Falk und sprach: „Rebbi Gerson! Vertheilet dieses Geld nach dem „Kehilla-Zettel" *) an die Armen. Sagt ihnen, sie wögen sür meinen Mann beten, daß er mir gesund wieder gegeben werde." Also reichte sie ihm eine Rolle. Noch immer saß Tobias am Boden und weinte. Das that der Mutter schon sehr wehe. Alle begütigenden Mittel wollten nicht verfangen, und zur Anwendung von sirengen, dazu konnte sie sich in ihrer heutigen Stimmung am wenigsten entschließen. Da fiel ihr ein Mittel zur Berubigung ein. Sie gab ihm aus der Commode die Wimpel. Und siehe! die Thränen versiegten, die Sonne der Freude strahlte wieder; Tobias lächelte und schien Vater und Reiten vergessen zu haben. „Wenn man einem Kinde den Finger reicht, will es die ganze Hand." Dies Sprüchwort bewährte sich auch hier. Kaum hatte sich Tobias ein Weilchen an den bunten Farben und Malereien genug gesehen, als dadurch ein vom Bater niedergehaltener Wunsch mächtig in ihm sich erhob. „Nicht wahr, Mütterchen," rief er mit leuchtenden Mienen, „nicht wahr, ich darf die Wimpel morgen in die Synagoge tragen?" — Standhafte Verweigerung Seitens der Mutter, neue Thränen Seiten des Knaben! Er kannte gar wohl die Waffen zur Besiegung des mütterlichen Willens. Da legte sich R. Gerson ins Mittel. „Warum," so sprach der halbe Gottesgelehrte, „warum soll das Jüngelchen noch nicht Schulen*) gehen? Ist es doch schon fünf Jahre alt! die Männer müssen nicht Alles wissen." — Kurz — nach einigem Hin- und Herreden, worin der Vorsänger die Bedenken Recha's mit einigen hebräischen Ge- *) Gemeindeverzeichniß. **) In die Synagoge.

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