Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1853)
- Date
- 1853-06-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Die Wimpel. Meinplätzen ans dem Felde geschlagen und versprochen hatte, auf den Knaben zu sehen und ihn während des Wimpelwickelns auf den Arm zu nehmen, sagte sie zu , und Tobias — wie war der glücklich! wie fiel der seinem guten Mütterlein dankend und herzend um den Hals! — Arme Mutter! deine allzugroße Zärtlichkeit treibt dich, wider bessere Ueberzeugung zu freveln! Dein Lwbstes und Bestes , deines Gatten, dir anvertrculkes Kleinod, übergibst du der Aufsicht eines Mannes, der dich mit leichten Gründen^ die aus keinem Vaterherzen kamen, beredete, der, selbst nicht Vater, auch nicht mit Bateraugen über dein Kind wachen wird! — Recha nestelte nun unter Herzklopfen die vier Leinwanbstreifen mit Seidenfaden lose aneinander, und so zusaxnnengewickelt, schleppte Tobias seine Wimpel den ganzen Abend himmlisch vergnügt mit sich herum^ Als er später einMief, schloß er sie in seine Arme. Aber Frau Falk verlebte diesen Abend , wie noch keinen, traurig und beschwerten Herzens. Schon während des Anzündens der großen achtzackichten Lampe, wobei sie den Väter des Lichts um Erleuchtung ihres Kindes anflehte, konnte sie sich der Thränen kaum erwehren. Als aber; nach dem Gottesdienste das Gesinde und einige zumSabbath gebetene Arme mit iw und dem Kinde zu Tische, saßen, und. her Platz an. ihrer Seite leer blieb, als sie den Segen über einen Becher Wem sprach und das liebe' Sabbathbrod vertheilte, da rannen, so oft sie sich auch im Innern sagte, daß, Thränen am heiligen Sabbgth vergiHen , Sünde ftp , die hellen Zähren wie Thauperlen über ihre blassen Wangen herah; das Sabbathmahl blieb von ihr unberührt, Vergehens mühten sich die Dienstleute ab, ein erheiterndes Gespräch in Gang zu bringen. Auch sie legten Messer und Gabeln nieder, und die Lieblingspeisen wurden, wenig gewürdigt, vom Tische wieder hinweg getragen. — O wonnige Freitagnacht! was bist du auch mit deinen himmlischen Lichtern an der goldstrahlenden Lampe, mit deinem geweiheten Weine, mit deinen duftigen Speisen, mit deinen wür-- zigen Segensbrodm, mit all deiner stillen Fröhlichkeit und. seligen Ruhe, die nur gefühlt^ die nicht beschrieben werden kann,, für die em verweltlichter Sinn nirgends Ersatz findet, ach, was bist du mit all diesen Herrlichkeiten, wenn du einsam und alleine genossen werden sollst! wenn; dir die Krone fchbetz der PriesterdesHausalters, das. gMebte Familienhaupt? (Fortsetzung folgt.) —»»A^SV cccc —