Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1853)
- Date
- 1853-05-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Erzählung. 127 Der Vater aber erwiederte in gleicher Weise: „Mit Nichten! lassen wir's, bis der Junge sechs Jahre zählen wird. Nächsten Sabbath könnt'?s ja ohnedieß in keinem Falle geschehen. Du weißt doch, daß ich nicht hier sein werde." Durch diese Worte ward eine Seite angeschlagen, die in dem Herzen der gefühlvollen Frau schmerzlich wiedertönte. Sie schwieg.— „Nun Väterchen, rief jetzt Tobias wieder, sag' mir doch was sind das für dunkle Fleckchen da unten an meiner Wimpel? hast wohl die Farbe darauf verschüttet?"— „Nein, Kind," erwiederte mit bebender Stimme der Vater. „Diese Flecken seien dir ewig ein Zeichen, daß der allmächtige Gott dich als kleines Kind schon in seinen himmlischen Schutz nahm. Du hast bei deiner Beschneidung, in diese Leinwand gehüllt, so stark geblutet, daß du dem Tode nahe warst. Davon sind diese Flecken geblieben. Danke Gott, daß er dir das Leben erhalten und wende es so an, wie es sein heiliger Wille von uns fordert. Werde ein braver Mensch." „Das will ich werden, Vater," rief, immer auf die dunklen Fleckchen sehend, der verständige Kleine; ein so srommer Tobias will ich werden, wie der war, von welchem du mir schon erzählt hast." „Das gebe Gott!" rief gerührt der Vater. „Kannst du aber noch das Sprüchlein hersagen, das der alte Tobias seinem Sohne, dem jungen Tobias, bei dessen Abreise besonders ans Herz gelegt hat?" „Ja! rief freudig der Kleine; „es heißt: Dein Lebenlang habe Gott vor Augen und im Herzen und hüte dich, daß du in keine Sünde willigst, noch thuft wider Gottes Gebot." „Vergiß diesen schönen Spruch nicht, mein Sohn!" sprach ernst der Vater, „und denke, daß er auch dir und allen Menschen für die Lebensreise mit gegeben ist. Bete jetzt noch dein Nachtgebet und laß dich von der Mutter zu Bette bringen. Gott beschirme dich!" Der Knabe reichte dem Vater das Händchen, eine gute Nacht wünschend und entfernte sich an der Mutter Hand. Falk wickelte hierauf die vollendete Wimpel zusammen und legte sie in die Komode. Fromme Wünsche für Weib und Kind legte er nieder in die Lade seines Herzens. (Fortsetzung folgt).