Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1853-05-01 · Heft 5 (Mai 1853) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 5 (Mai 1853)
Date
1853-05-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3129675-3129704-3129710--0760-3132137
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Eine Erzählung. t2S druck zurückzulassen. Die Wimpel seines Tobias zu fertigen, war eines Abends Herr Falk beschäftigt. An derlei Arbeiten legte er theils aus Liebe zu früherer derartiger Beschäftigung, Heils um seinem Kinde eine Freude zu bereiten, gern selbst Hand an, Er trug aber nicht, wie bräuchlich, die Buchstaben mit Reisblei auf, die sodann gutthätige Frauen mit bunter Seide übernähen, sondern seine früher geübte Kunst selbst daran Versuchend, malte er nicht ohne Geschmack mit bunten Farben die hebräischen Quadrat-Buchstaben auf die Leinwand und brachte dabei die mannigfaltigsten Verzierungen und allerlei sinnige Bilder an. So an den Buchstaben mit Ober- und Unterlängen, wie an den abgekürzten Wörtern allerlei Blumen und Laubwprk; bei dem Worte „Thora" stand ein Vorsänger im Ornate, der, eine Thora aufrollend, sie vor einer Gemeinde hoch emporhob und oben darüber prangten in zierlichen Buchstaben'die Worte: „Dies ist die Lehre, welche Moses den Kindern Israel vorgelegt!" Drei Streifen lagen bereits beschrieben vor ihm auf dem Tisch, An dem vierten war noch die letzte Hand anzulegen. Hinter ihm stand Recha, die glückliche Mutter, und blickte mildlächelnd über seine Schultern, ob der Kunstfertigkeit ihres Mannes und der Freude, welche dadurch ihrem Sohne bereitet werde. Halblaut las sie die aufgezeichneten Worte, welche wir in der Übersetzung hier geben: „Tobias, Sohn des ehrenwerthen Jakob Falk. Er lebe ein langes glückliches Leben. Er wurde geboren zu gutem Glück am vierten Tag der Woche SV 24. Nissan im Jahre 5S49. Der Herr würdige ihn, daß er heranwachse kundig des Gesetzes, geschmückt mit edlen Handlungen und eingehe unter den Trauhimmel, Amen, Sela." „Du hast wohl geirrt, lieber Falk, daß du gegen den Brauch zuerst die „edlen Handlungen" und dann erst den „Trauhimmel" geschrieben hast"? fragte, hierauf Recha. „Nicht doch!" erwiederte der denkende Bater; „mit Vorbedacht habe ich mix diese Versetzung erlaubt. Unserm Tobias mögen zuerst edle Handlungen eigen sein, che er unter den Trauhimhimmel gehe." Jawohl, sprach sie, und ihr Herz hüpfte schon

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.