Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1853)
- Date
- 1853-05-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Erzählung. 123 und Wissen des besonnenem Vaters gab sie oft dem Begehren des Sohnes nach. Wenn dies dann zur Sprache kam und die Mutter sagte: „Sich! das Kind ist schwach; es könnte durch das Weinen und Härmen Schaden nehmen;" dann sagte der Vater: „Du irrst, liebe Recha! Nur wenn du ihm nach langem Weinen seinen Willen gewährst, bewirkst Du, was Du verhüten willst. Gewahrt der Knabe — und ein dreijähriger Junge wie unser Tobias merkt dies bald — daß er durch fortgesetztes Weinen oder gar durch Trotz seinen Willen durchsetzt, warum sollte er ein andermal nicht dasselbe Mittel anwenden? Er wird am Ende noch das Widersinnigste begehren; Du mußt es ihm gewähren, willst Du ihn beruhigt wissen. Ueberhaupt ist es Pflicht der Eltern, den Willen der Kinder frühzeitig zu brschen. Sie können ihn, einst herangewachsen, in tausend Dingen nicht haben; sie müssen ihn ja in Sachen der Religion einem höheren Willen unterordnen; unsere staatlichen Einrichtungen treten dem Einzelwillen, namentlich in unfern jüdischen Verhältnissen, so oft entgegen, daß die Kinder nicht bald genug gewöhnt werden können, ihrem persönlichen Begehren Grenzen zu setzen und auf Lieblingswünsche Verzicht zu leisten. Lies doch über diesen Gegenstand das 30. Kap. in Ben Sirach: Du wirst Goldkörner finden." Recha versprach's, that's auch. In wie weit sie aber dem Gelesenen nachkam, wird die Folge lehren. Allmählich erstarkte auch die Gesundheit des Knaben. Er ward ein kräftiger Junge von blühender Gesichtsfarbe und einer überaus lebhaften Gemüthsart. Sein munteres Wesen machte dem Vater viele Freude, der Mutter aber manche Sorge. Wenn er beim Lustwandeln der Eltern an den Sabbathabenden immer vorauseilte; wenn er überhaupt nicht lange an einer und derselben Stelle weilte, sondern immer, als hätte er Quecksilber im Leibe, bald sich setzte, bald aufsprang, bald weglief; wenn er im Winter gern aufs Eis ging und im Sommer ins Grüne eilte, zuweilen gar, o Schrecken! einen Baum erkletterte: da ward Mutter Recha überaus unruhig und besorgt und machte wohl gar ihrem Manne den Vorwurf,