Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1853-05-01 · Heft 5 (Mai 1853) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 5 (Mai 1853)
Date
1853-05-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3129675-3129704-3129710--0755-3132132
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wimpel. Erstes Kapitel. Zur westlichen Seite unsres deutschen Baterlands liegt ein schönes großes Reich, Frankreich genannt. In diesem Lande, besonders in dessen Hauptstadt Paris, ging es zu Ende des vorigen Jahrhunderts gar unruhig und blutig her. Alle bisherigen bürgerlichen und staatlichen Einrichtungen wurden gewaltsam aufgehoben. Die Gegner solchen Thuns, oder die man auch nur dafür hielt, wurden mit Gefängmß und Tod verfolgt, ja die wuthentbrannten Franzosen trieben es so weit, daß sie sogar ihren König, Ludwig XVI., einen sanften und gütigen Herrn, der es mit seinem Volke sehr gut meinte, eines blutigen Todes auf öffentlicher Richtstätte sterben ließen. Ein Schrei des Entsetzens ertönte durch ganz Europa. Die deutschen Fürsten führten große Kriegsheere an Frankreichs Grenzen. Ein blutiger Kampf entspann sich. Siege und Niederlagen wechselten während mehrerer Jahre. Bald zogen die Aranzosen über den Rhein und verheerten und brandschatzten das deutsche Land, bald wurden sie von den anrückenden Oestreichern zurückgedrängt, geschlagen und verfolgt. Schwer lag dazumal die Geißel des Krieges auf den Bewohnern der Rheinischen Lande, so daß auf sie das Wort der Schrift Anwendung fand: „Des Morgens wirst du sagen, ach, wär' es doch schon Abend, und des Abends: ach, wär' es wieder Morgen!" — Um diese Zeit lebte in jener Gegend ein schlichter und gerader Mann, der jüdische Metzgermeister Jacob Falk. Sein Handwerk hatte ihn bisher ernährt und ihm Wohlstand gebracht. Zur Zeit des Krieges aber hing er's an die Wand und befaßte sich mit großen Schlachtvieh-Lieferungen an die deutschen Heere. Das war freilich mit mehr Gewinn, aber auch mit mehr Wagnissen und Gefahren verbunden. Von armen Aeltern geboren, jedoch durch Unterstützung eines fern wohnenden Oheims gut unterrichtet und erzogen, war er vor fünfzehn Jahren aus dem Bayerlande an den Rhein gekommen und hatte als Lehrer, Vorsänger und Schächter ein Un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.