Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1853)
- Date
- 1853-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wimpel. Erstes Kapitel. Zur westlichen Seite unsres deutschen Baterlands liegt ein schönes großes Reich, Frankreich genannt. In diesem Lande, besonders in dessen Hauptstadt Paris, ging es zu Ende des vorigen Jahrhunderts gar unruhig und blutig her. Alle bisherigen bürgerlichen und staatlichen Einrichtungen wurden gewaltsam aufgehoben. Die Gegner solchen Thuns, oder die man auch nur dafür hielt, wurden mit Gefängmß und Tod verfolgt, ja die wuthentbrannten Franzosen trieben es so weit, daß sie sogar ihren König, Ludwig XVI., einen sanften und gütigen Herrn, der es mit seinem Volke sehr gut meinte, eines blutigen Todes auf öffentlicher Richtstätte sterben ließen. Ein Schrei des Entsetzens ertönte durch ganz Europa. Die deutschen Fürsten führten große Kriegsheere an Frankreichs Grenzen. Ein blutiger Kampf entspann sich. Siege und Niederlagen wechselten während mehrerer Jahre. Bald zogen die Aranzosen über den Rhein und verheerten und brandschatzten das deutsche Land, bald wurden sie von den anrückenden Oestreichern zurückgedrängt, geschlagen und verfolgt. Schwer lag dazumal die Geißel des Krieges auf den Bewohnern der Rheinischen Lande, so daß auf sie das Wort der Schrift Anwendung fand: „Des Morgens wirst du sagen, ach, wär' es doch schon Abend, und des Abends: ach, wär' es wieder Morgen!" — Um diese Zeit lebte in jener Gegend ein schlichter und gerader Mann, der jüdische Metzgermeister Jacob Falk. Sein Handwerk hatte ihn bisher ernährt und ihm Wohlstand gebracht. Zur Zeit des Krieges aber hing er's an die Wand und befaßte sich mit großen Schlachtvieh-Lieferungen an die deutschen Heere. Das war freilich mit mehr Gewinn, aber auch mit mehr Wagnissen und Gefahren verbunden. Von armen Aeltern geboren, jedoch durch Unterstützung eines fern wohnenden Oheims gut unterrichtet und erzogen, war er vor fünfzehn Jahren aus dem Bayerlande an den Rhein gekommen und hatte als Lehrer, Vorsänger und Schächter ein Un-