Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1853)
- Date
- 1853-05-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wimpel, Vorwort. Jeder denkende isr. Familienvater und Erzieher hat sicherlich schon den Wunsch gehegt, seinem Zögling ein kindlich und leichtfaßlich geschriebenes, gemüthanregendes, auf heimischem Boden und in der jüdischen Kinder- und Familienwelt sich bewegendes Büchlein, welches, religiösen Parteiftagen fern, das uns Allen Heilige zum Gegenstande hat, in die Hände geben zu können, und sich ziemlich vergeblich darnach umgesehen. Das Verlangen, diesem heiligen Sehnen nach Kräften zu genügen, trägt der Unterzeichnete, so wenig Lohnendes und Ermunterndes solche Unternehmungen bieten, schon lange mit sich herum. Er meint, was Christoph Schmidt in der christcatholischen Welt durch seine Erzählungen, in welchen er die Symbole und Bräuche seiner Kirche so meisterhaft in Lebensbilder einkleidet, geleistet, sich, mit Weglassung des allzuhäufigen Moralisirens, zum Muster nehmen und so manche sinnigen Bräuche und Institutionen der jüdischen Kirche, besonders wie sie sich im Familienleben, in der Erziehung, in dem geschäftlichen Thun und Treiben abspiegeln, zum Rahmen kindlicher Erzählungen machen zu dürfen, geeignet, unsre zarte Jugend in einer segenbringenden Weise zu uuterhalten, und fromme Gefühle in ihnen zu erwecken und zu nähren. Diejenigen aber, welche alle derlei Versuche für überflüßig, oder gar die allgemeine Verbrüderung unter den Menschen beeinträchtigend, ansehen, möchten doch bedenken, ob denn unsre Jugend gar keines Gegengewichts gegen die sich immer mehr verchristelnde Jugendliteratur bedürfe? Wollen wir auch der maßlos speciell confessionellen Richtung unserer Zeit nicht in allen ihren Jrrgängen folgen — was gut, was zeit- und zweckgemäß ist, wollen wir denn doch beherzigen. Wir werden sonst nach allen Seiten gezerrt, wo wir weder hingehören, noch hingehören wollen. Altenmuhr in Mittelfranken Baierns, im Mai 1853. Simon Krämer.