Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 4 (April 1853)
- Date
- 1853-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Bau der Ewigkeit. 89 fromme Liebe zu Gott und in Gott zu allen Menschen ist der zweite Grundstein, ja der Eckstein des geistigen Gotteshauses in unserm Herzen. Wo mehr, als im Gotteshause soll und kann dieser Grundstein der Liebe zum Bau des innern Heiligthums gelegt werden? Die mannichfaltigen Verhältnisse in der menschlichen Gesellschaft, die unvermeidlichen Unterschiede in Geburt, Vermögen und Stand thürmen sich auf wie Eisberge zwischen Menschen und Menschen und scheiden kalt das Herz vom Herzen. Hier im Lichte der Religion, vor den Sonnenstrahlen der Wahrheit, daß Ein Gott uns alle erschaffen, Einen Vater wir alle haben, hier schmelzen diese Eismauern, stürzen ein diese Scheidewände. Hier im Hause des einzigen Gottes erkennen wir, daß, wie einst dort in der Ewigkeit, so schon hier auf Erden wir alle vor Gott gleich sind, und nur ein Unterschied Wahrheit und Geltung hat: „der Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Frevler, zwischen dem Diener Gottes und dem, der ihm nicht dienet". Unser Gebet selbst hat nur Werth, wenn das Herz vom Hasse rein, das Gebet selbst der Ausdruck frommer Liebe ist O^NTN O^NV Wie Gott einst durch des Propheten Mund unfern Vätern zurief: Liebe fordere ich und nicht Opfer N2? ^1 ION'2, so will Gott heute noch nicht die Farren unserer Lippen, das Gebet, wenn es nicht einem Herzen entströmt, das zum Altare der Liebe geweiht ist. Der Hinblick auf die göttliche Liebe, welche keinen Menschen zurückstößt, weckt diese Liebe zu Gott und den Mitmenschen in unserer Seele. Und was sonst, als das Vertrauen zu der Liebe Gottes spornt uns zum Gebete an? Eine liebeswarme Seele löst sich in's Gebet auf! Wenn, mein Bruder, meine Schwester, der Segen Gottes dich reich macht, wenn frohe Lebensereignisse dein Loos verschönern, und du gehst in Gottes Tempel, um für seine Wohlthaten zu danken, ist es nicht die göttliche Liebe, welcher du die Freudenthränen deines Dankes als Gußopfer spendest? Und wenn sich der Himmel deines Schicksals trübt, wenn Gefahren über deinem oder der Deinen Haupte schweben, wenn Leiden