Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 4 (April 1853)
- Date
- 1853-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3129675-3129704-3129709--0720-3132096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 Der Bau der Ewigkeit. Erde den Weg alles Fleisches, und das Heiligthum, in welchem sie Gott anbeteten, überdauerte sie alle. Die alte Synagoge selbst, wie viele Geschlechter sie an sich vorüber gehen sah, mußte endlich nicht minder das Loos alles Zeitlichen theilen, sie wurde baufällig, mußte niedergerissen werden und diesem Hause weichen, in welchem wir heute versammelt sind. Dieses neuerbaute Heiligthum — das hoffen wir zu Gott, der es unter den Schutz seiner Allmacht nehmen wolle, — „noch dauern wirds in späten Tagen", und späte Geschlechter, die uns nicht kennen, werden hier den himmlischen Vater anbeten. Und wie das Gedächtniß der frühesten Besucher des alten Gotteshauses unter uns erloschen ist, so wird unter den späten Nachkommen sich keine Erinnerung erhalten für unsere Namen, die wir heute diesen Tempel einweihen! „Kein Gedächtniß den Frühern, und auch den Späteren, die da sein werden, wird kein Gedächtniß bleiben bei denen, die lange nachher sein werden." Ein Geschlecht wird gehen, ein Geschlecht wird kommen, und diese Synagoge wird immer noch stehen und die Geschlechter überleben. Wie viele Jahre jedoch dieses Gotteshaus den; Zahne der Zeit widerstehe, einmal schlägt auch seine Stunde der Hinfälligkeit, daß es sinkt, wie die alte Synagoge, und ein anderes Heiligthum tritt an seine Stelle. — Und dennoch — ich wiederhole es beherzt — ist dieses, ist jedes Gotteshaus sür die Ewigkeit gebaut. Denn fast alle Gebäude und Palläste, welche die kunstreiche Hand des Menschen aufstellt, verdanken ihre Entstehung dem Nutzen oder Vergnügen. Selbst jene Tempel, welche der Kunst oder Wissenschaft gewidmet sind, dienen dem Irdischen, wenn auch dem Geistigen in dem Zeitlichen. Nicht also das Gotteshaus. Von ihm gilt, was die Schrift sagt: Nicht für Menschen ist der Tempel, sondern «für den Ewigen, für Gott. n^n LNtt^ Das ist die erhabene Bestimmung des Gotteshauses, die uns Ehrfurcht einflößt, daß wir in demselben über das Zeitliche zum Ewigen, über das Irdische zum Himmlischen uns erheben. Wie ehr-