Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1853)
- Date
- 1853-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Replik. Uns ist Letzteres aber nicht denkbar; für einen, denkenden Mann — und wer denkträge ist, bleibe vom Predigeramte fern — ist die Thora unerschöpflich, und gerade der dreijährige Cyclus gibt ihm die schönste Veranlassung zur Vermannichfaltung seiner Vorträge. — Wenn er das Leben Abrahams; die Schicksale Jakobs; den Lebensgang Josephs; die Thaten Mösls; die Symbolik der Stiftshütte und der Opfergesetze; den Geist der einzelnen Satzungen und Lehren zeichnen und ausführen will: so entschlüpft ihm der Gegenstand nicht so schnell, wie bei der einjährigen Leseweise, sondern er vermag seine Gemeinde mit den erhabenen Bildern und Geboten zu erfüllen, tt^O, und wenn die drei Jahre herum sind, dann fühlt sie ihr Gemüth erweitert, ihren Geist bereichert; es werden ihr die drei Jahre, mit dem einleitenden historischen, in der Mitte gesetzlichen, und am Ende herzlich wiederholenden Inhalt eine unerschöpfliche Fundgrube eigenen Nachdenkens und Lernens. — Was jedoch die erwähnte allgemeine Einheit der Gemeinden betrifft, auf die besonderes Gewicht gelegt wird, wo ist diese? wo war diese je in Israel? — Wenn Jemand z. B. am Versöhnungstage oder an einem anderen Feste aus einer deutschen ^Synagoge in eine solche von polnischem oder portugiesischem Ritus kommt — ganz andere Betweise; seine heiligsten Gebete, z. B. „Iisanne l'okes", (bei den Portugiesen) fehlend; dafür andere, ganz unbekannte Stücke; die „Seliehotli" nicht mitten, sondern am Ende der leWa; die Aussprache des Hebräischen sogar eine ganz andere — wird dieser sich nicht unheimlich fühlen? kann sich ihm der Gedanke von der Einheit des Cultus aufdringen? und die polnischen und portugiesischen Gemeinden zusammen machen weit mehr als die Hälfte der israelit. Gemeinden aus! — Und nun gar in der Gegenwart!—Unser Herr College zu Gießen hat die Orgel beim öffentlichen Gottesdienste eingeführt — höchst erfreulich! — Ist das aber der Einheit nicht höchst gefährlich? — Denn der Orthodoxe fährt schon vor dem Tone dieses kirchlichen Instrumentes aus der Ferne zurück; in Mainz hat die orthodoxe