Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1853)
- Date
- 1853-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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im Großherzogthnm Hessen. 33 in der Synagoge, ja oft auch in der S chlachtbank so Bielens und welchen Herren, zu dkenM Hat! —Da hält man dem Emen zu viele Schulstunden, dem Andern zu wenige; dem Einen ist man zu bigott, dem Andern zu aufgeklärt; der Eine hält uns für einen zu strengen Lehrer, der Andere meint, man strafe nicht genug. Diesem ertheilt man zu viel hebräischen Unterricht, Jenem zu weniW Ist man zugleich Vorsänger, so entstehen neue Klägepünkte. Dem Einen dauert der Gottesdienst zu lange, dem Andern nicht lange genug; diesem beginnt er zu frühe, Jenem zu spät; Manchem singt man zu viel, Manchem zu wenig — kurz, Launett regieren, keine sichere Norm; Launen treiben wie ungestüme Winde unser Schifflein hin und her — und wehe uns, wenn wir dem stolzen Steuermann der GeMinde, dem unbeschränkten „?grne8s", mißfallen, welcher oft den Lehrer als Trößknecht, als Schiffsjungen beherrschen möchte! — Ach, und wie wird gar der Religionsunterricht, dieser schönste Stern am trüben Lehrerhimmel, die Ursache unsäglicher Qualen! Er ruft in des treuen Lehrers Busen einen schrecklichen Kampf hervor. Eine Stimme, die der Pflicht und seiner erhabensten/ innigsten Ueberzeugung, flüstert ihm zu: Du mußt Deine Kinder eine Religion des Geistes/ des Herzens lehren; Du mußt ihnen sagen: „Ein Gott der Gedanken ist der Ewige;" vernünftige Erkenntniß, der erste Gegenstand unserer täglichen Bitten, ist auch in der Religion die erste, heiligste Anforderung; du mußt sie überzeugen, daß Gott nicht blos Fasten, Beten, Kasteien von uns verlangt, daß diese äußere Zucht nicht den ganzen Inhalt und die Hauptsache in unserer Religion ausmacht, sondern, daß GotteMrch^ fromme Werke und allgemeine Menschenliebe den Kern derselben bilden. Das ist das erhabene prophetische Judenthum, von welchem Jesaias (53.6)sagt: „Das ist ein Fasten, das ich liebe, öffne die Ketten der Bosheit"; von welchem Micha (6l8) spricht: „Er hat dir kundgethan, o Mensch, was gut ist, und was der Ewige von dir fordert, nichts Anderes, als: auf Recht halten, Liebe üben und in Demuth wan-