Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1853)
- Date
- 1853-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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32 Der israelitische Religionslehrer der ungebildete Jude auf dem Lande den Erzieher seiner Kinder gleich einem Taglöhner, einem Miethling bezahlt und behandelt. — > Ach, mein Freund und College, wohin sind nun die schönen Traumgebilde von den Freuden Deines Berufes, welche Du Dir im Geiste mit den schönsten Farben ausmaltest? Wohin jene Liebe zu Deinem Amte, jene Freude, welche Dich beseelte, so oft der Gedanke an die Erhabenheit Deines Lehramtes durch Deine Seele zog? — Doch warte nur ein wenig! Du hast den Kelch der Leiden noch nicht bis zur Hefe geleert; noch Schmerzlicheres harret Dein; Du mußt Dein Geschick erfüllen! — — Nach einigen Jahren sehen wir uns wieder, wie finden wir unsern Freund und Collegen? — Ach, wir erkennen in ihm den Mann von ehemals nicht mehr! Pie Hoffnung, mit fliegender Fahne, die auf seiner jugendlichen Bahn vor ihm Herzog, hat ihn verlassen; Unzufriedenheit und in ihrem Geleite Gram und Mißmuth erfüllen die einst so heitre Seele, und haben ein Auge getrübt, das uns ehedem voll Jugendfeuer entgegenstrahlte. Die Stellung zu seiner Gemeinde hat ihn total umgewandelt. Die jeden Gebildeten, jeden Humanen mit Entsetzen erfüllenden Kränkungen, die er oft unverdient von den meisten seiner Gemeindeglieder ertragen mußte^ haben sein Inneres zerrüttet, seinen Geist niedergedrückt, seine Gesundheit unterwühlt; no ch einige Jahre, und die Blume ist gebrochen, die Frucht vernichtet, die uns einst so hoffnungsvoll entgegen blinkte. So kams, und so mußte es kommen; auch der kräftigste Geist wird und muß zuletzt erliegen. Der Mann, den keine höhere Behörde in seiner Stellung schützt, den auch der eigene Rabbiner — wir reden davon, mehr im zweiten Theile — auch beim besten Willen oft kaum zu schützen vermag, muß entweder seine Stellung aufgeben — woher aber dann Brod nehmen? — oder er wird sich selbst, sein besseres Ich aufgeben müssen — schreckliche Alternative! — er muß körperlich oder geistig zu Grunde gehen. Denn Wen ließen sie gleichgiltig diese immerwährenden, bitteren Kränkungen, diese ewigen ungerechten Klagen, gegen einen Mann, der in dfr Schule,