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Der israelitische Volkslehrer · 1855-12-01 · Heft 12 (Dezember 1855) · page 9

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 12 (Dezember 1855)
Date
1855-12-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4l6 Die Rabdiuer-Covferenz holung erschwerend dahin zu deuten (cimlm l15, d), daß die betreffende Mischung weder gekocht, noch gegessen, noch von ihr in iraend einer Weise ein Nutzen gezogen werden dürfe N7'28 .^'I 11O^) Ist hier nicht der klare Schriftsinn verdunkelt? und das will man einen Commentar nennen! — Interpretation, Auslegung, Deutung, , absichtliche, oft willkührliche, ist die talmudische Hermeneutik, nimmermehr Commentar. — Schließlich muß es sowohl von religiösem als wissenschaftlichem Standpunkte aus als ein großer Mangel hervorgehoben und getadelt werden, daß Herr vr. Wise in der erwähnten „?!stkorm^ des Talmuds, aber nicht der Tradition Erwähnung thut. Dieser Umstand muß eigentlich sckon bei den strengen Rabbaniten Unzufriedenheit erwecken. indem diese der ^VO^? N^N (traditionellen Ueberlieferung bis zur sinaitischen Offenbarung zurück) dieselbe Göttlichkeit beimessen wie der Bibel selbst während die „pl-ttform« wohl von einer verbindlichen, aber doch nicht göttlichen Autorität des Talmud's spricht. Noch mehr aber muß jetter Mangel ein Gefühl gerechtfertigter Unzufriedenheit bei den Anhängern der Reform, die bisher in Herrn vr. W. ein so großes Zutrauen gesetzt, hervorrufen, indem die „Platform," mit Uebergehung des Grundbegriffes der Tradition als der historischen Fortentwicklung des Zudenthums, — ein Begriff, der wenn man einmal Principien aufstellen will, unter keiner Bedingung fehlen darf, — wohl der Bibel, oder dem ersten Jahrtausend unserer gotterfüllten Religionsqeschichte, wobl dem Talmud, oder dem zweiten Jahrtausend unseres religiösen Bestandes, aber nicht der späteren Fortentwickelung, den weiteren Jahrtausenden, am allerwenigsten aber ver Gleichberechtigung unserer jetzigen religiösen Ansprüche und Bedürfnisse mit denen der talmudischen Zeit. Rechnung trägt. — Nach dem zweiten Grundartikel des Herrn Wise könnte es scheinen als wäre der Talmud als ein abgeschlossenes Werk zu betrachten, über vas hinaus eine weitere traditionelle Fortentwicketung nicht möglich sei — ein Karaismus in zwiefach horrender Gestalt? — Dem ist aber nicht also. Der Talmud ist nur eine Phase des jüdisch-traditionellen Lebens.

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