Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11 (November 1855)
- Date
- 1855-11-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Rundschau. geänderten Physiognomie der II. und der alten I. Kammer ein Erfolg nicht zu erwarten, so stecken wir bayer'sche Juden doch noch zu tief im Pfuhl wahrhaft unmenschlicher AuSnahmSgesetze, als daß ein^äußerer Anstoß zu ihrer Aufhebung nicht ebenso wünschenswert als nothwendig wäre. Die christlichen Wähler des Herrn Arn he i m werden ihm dies sicherlich nicht nbel nehmen; denn — wenn auch gebildete wie ungebildete Christen an ein unbedingtes Einstehen eines Juden für den Antern in einem Maße glauben, wie eS leider in der Wirklichkeit nicht mehr vorhanden ist, so darf man doch von so vorurtheilSfreien Christen , die einen Juden zum Abgeordneten wählen, annehmen, daß sie den Kampf, welchen dieser den Vorurteilen gegen seine Glaubensgenossen erklärt und beginnt, nicht auf Rechnung jüdischer AuSschließlichkeit, sondern allgemeiner Menschlichkeit setzen werden. — Zu erster Reihe nun steht noch das Pharaonische Matrikelwesen, das in neuester Zeit überdies mit aller Strenge gehandhabt wird. In Fürth sollen mehr denn zwanzig HeirathS-Kandidaten bis zur Erledigung einer Matrikel vorgemerkt sein.. Ein neuer allerhöchster Erlaß spricht sogar Kindern daS bisher übliche Anrecht auf die Matrikel der Aeltern ab! Andere Ausnahmsgesetze sind dem genannten Herrn Abgeordneten als Juristen besser als uns bekannt und selbst der Kammer der ReichSräthe sind sie vor Jahren durch einen Antrag deS H. Reichsrath Grafen v. Giech zur Aufhebung empfohlen worden. — Eine recht schlimme Episode aus unsrer staatlichen Stellung haben wir jüngst in einer Thatsache erlebt, die wiederholt Zeugniß gibt, wie nicht nur das jüdische Individuum und die Judenheit, sondern selbst die christlichen Staatsangehörigen durch Vorenthaltung der Staatsbürgerrechte beeinträchtigt werden. Dermalen werden bei uns selbständige Tarbeamte angestellt und hiezu in der Regel bisherige Sportelrendanten defignirt. Hr. Sportelrendant Hartmann in Leutershausen, in Mittelfranken, ein Jude, arbeitet über 40 Jahre im dortigen Landgerichte in dieser Brauche. Seine ausgezeichnete Tüchtigkeit ist so anerkannt und der Wunsch, ihn auf diesem Posten zu erhalten, war so allgemein, daß ihm nicht nur sein Vorgesetzter die vorzüglichsten Zeugnisse ertheilte, sondern eS wurde sogar eine christliche Deputation deS Landgerichtbezirks Leutershausen an Seine Majestät den König wahrend dessen Aufenthalts in Nürnberg mit dem desfallsigen Gnadengesuch abgeschickt; der LandtaqS-Abgeordnete aus dem Landgerichtsbezirke soll deßhalb auch eine Audienz bei dem Hru. Minister gehabt haben. AlleS hoffte. Aber nein! der allbetiebte tüchtige Sportelrendant Hartmann ist ein Israelit und muß einem christlichen Platz machen. Hilst Alles nichts, möchte man mit Nathans Tempelherrn sagen, der Jude muß verbrannt werden! — Unserem Schutwesen drohet eine Reaction von einer neuen Seite. Die Semiaariuspection za Schwabach - an dereu Spitze ein Ultra-Protestant steht, ein Bruder deS dermaligen protestantischen Oberconsiftorial-Prafidemen vr. v. Harleß, desselben, welcher im Königreich Sachsen gegen die Emau-