Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11 (November 1855)
- Date
- 1855-11-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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398 Leo» da Modeug. Ueber seinen antithalmudischen Standpunkt selbst mag ich mich weiter hier nicht aussprechen. Man mag ihm Pietät, die Fähigkeit sich in die thalmudische Zeit zu versetzen, höhere historische Kritik absprechen; aber eine klare Verständigkeit herrscht in seiner ganzen Behanvlüngsweise, die man, wie Reggio schon bemerkte, als lediglich unserer Zeit angehörig betrachtete. Daß seine Schriften gegen den Thalmud, also der von Reggio herausgegebene „Kol Sakhal" und die Anfragen in dem von mir neu edirien ^Magen we-Zinnah" wirklich ihm angehören, wird ein aufmerksamer Leser nach äußeren und inneren Gründen nicht mehr bezweifeln. Die erste Schrift gibt er selbst an, als eine von ihm vorgefundene, schon 1500 abgefaßte, die Anfragen im letzteren, läßt er von Hamburg geschickt werden. Sowohl dieses Vorgeben, al5 auch die leichtsinnige Verdächtigung, als habe Reggio die erster? untergeschoben — während sie de Rossi schon 1802 beschrieb! — sind von Reggio und mir hinlänglich beseitigt, und ich lx^x einen besondern Rachdruck für einen ^eden Urtheilsfähigen auf die volle Uebereinstimmung, die nachdem man einmal den richtigen Maßstab zur Kenntniß Leons hat, und in allen seinen Schriften, in den eroterischen, wie den rhetorischen, gefunden wird. Daß Leon solche Verhüllungen nicht scheute, beweist feine Benützung des Sohar in seinen Predigten und im Kommentar zu „Bech Jehudah," seine Anleitungen zum Anfertigen der kabbalistischen Zaubermittel u. dgl. trotz seinem entschiedenen und offen bekannten Unzlauben an die Kabbalah. Leon ist Verfasser dieser Schriften und verstand es in der That so fein sich zu verhüllen, daß ihm seine Absicht fast mehr gelungen wäre, als ihm lieb sein mochte. Denn auch dieß bleibt merkwürdig an ihm. Kein Bedenken der Zeitgenossen erhebt sich wider ihn; man spürt Nichts an ihm auf, der Verdacht wagt sich nicht an ihn heran. Und dennoch sind die vollgültigen Documente seiner ganz abweichenden Gesinnung vollständig aufbewahrt geblieben! Zwei Jahrhunderte haben sie, die ganz unbeachtet blieben, nicht unter ihrem Schutt begraben; er hat vas günstige Geschick gehabt, in seiner wahren Persönlichkeit, wenn auch in später Zeit, vielleicht aber gerade in der günstigsten für seine Würdigung, vollkommen wieder auszuleben'. Welch wunderbare Verfchlingungen ziehen sich durch ein solch einzelnes Leben, nicht blos während seines irdischen DaseinS, sondern auch in seiner geistigen Hinterlassenschaft! Abgesehen nun von den Ansichten, welche Leon entwickelt und die noch heute keineswegs antiquirt sind, wenn sie auch tiefer gefaßt werden wüßen, ist seine ganze Erscheinung eine ernste