Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11 (November 1855)
- Date
- 1855-11-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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, Leon da Nodeua. SS7 brauch stütze ohne alle gesetzliche Basis" *), und noch an andern Orten macht er Hindeutungen auf derartige verbreitete lare Ansichten. Allein innerhalb der berechtigten jüdischen Kreise wagten dieselben natürlich nicht hervorzutreten, und wir können uns wohl in die Gemüthsbeschaffenheit solcher Männer versetzen, die amtlich dem geltenden Systeme verpflichtet, schriftstellerisch demselben zu huldigen genötdigt waren, und dennoch in einem entschiedenen inneren Widerspruche zu demselben standen. Diese unheilvolle Qual nagte gewiß an mancher tüchtigen Kraft und zernagte sie endlich; dieses ewige Ringen, dieses Aufflackern des Unmuths, diese Aufraffung zu muthigem offenem Widerstande, die alsbald wieder gedämpft und niedergekämpft wurde, stumpfen endlich nothwendig die Seele ab und lahmen alle Anlagen und Kräfte. Diese inneren Kämpfe deckt zuletzt das Grab, ohne daß eine Kunde davon weiter hin dringt. Doch gibt es Männer von reicheren Mitteln, größerer Geschmeidigkeit, die sich in die Verhältnisse zu fügen und doch mit Freiheit sich über ihnen zu erhalten wissen. Zu ihnen gehört 5 Bder berühmte Zoseph Salomo Delnedigo. Wie windet und dreht sich derselbe jedoch, um nicht der Au?t der herrschenden Dumpfheit zu verfallen und dennoch den Schleier etwas zu lüften? Wie unklar und verworren wird er, wie wenig erfahren wir von ihm Förderndes, wie sehr müssen wir erst Alles errathen, als ein Räthfel unS lösen! Dabei war Delmedigo ein unabhängiger Manu, lebte als Arzt in keiner rabbinischen Stellung, und dennoch wie sehen wir ihn von beständiger Unruhe verzehrt, umhergetrieben von einem Ende Europas zum andern, ohne bekannte andere^Veranlassung als eben der inneren Sehnsucht durch Onsveränderungen auszuweichen, wie sehen wir ihn in seinen Schriften abgerissen, ungeduldig umherspringend, in Widersprüchen sich bewegend! Ganz anders Leon da Modena. Er bietet uns eine vollständige Doppelnatur. Seinem äußeren Leben nach, den Schriften nach, zu denen er sich bekennt, ein vollständiger italienischer Rabbiner der damaligen Zeit, seinem Innern nach, wie er es in den geheim gehaltenen Schriften offenbart, der entschiedenste Gegner des Thalmuvs, und daS Mt einer Klarheit, die der beständige inneren Kampf nicht ankränkelt, sondern nur nüchterner, bitterer macht. Das ist eine merkwürdige Erscheinung? Zch liebe diese Doppelnatur nicht, aber ich staune über diese Elasticilät des Geistes, über diese Kraft, den inneren Menschen von dem äußeren ganz getrennt zu halten. 1 Gutachten Debar Sch-mu-t Rro. t55. f. ö? d.