Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11 (November 1855)
- Date
- 1855-11-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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SS2 Pabß GlrtUS V. setzte seinen Fuß auf deS Drachen Hals. Als er sah. daß gelinde Mittel nicht halfen, wandte er daS Eisen an und setzte es an die Wurzel deS alten Krebsschadens. Indessen' auch dann noch da er seine heiligen Zwecke erreicht und in Ruhe seine Siege feiern zu können glaubte, erhob die todlgeglaubte Schlange wiederum von Zeit zu Zeit einen Drachenhals und fokderte den Heroen zum neuen Kampfe heraus. Von einem solchen berichtet die folgende Novelle: SirtuS pflegte oftmals, sobald die Abendglocken ihr ^.ve Maria ausgeläutet, im Bettlermantel durch eine geheime Thüre den Vatican zu verlassen, um unerkannt die winkligen Straßen Roms und Trastevere's zu durchwandern, sich vom Zustande seiner Residenz und der Handhabung der Gesetze selbst zu überzeugen. Oftmals folgten den Tag darauf Schläge der strengsten, unerbittlichen Justiz, als Folgnr dieser EntdeckungsAange, von welchen noch hnr- Ligen Tages manche Geschichten im Münde des Volkes leben. Nun geschah es einmal — es war eben an einem jener prächtigen Oetobertage des gesegneten Tiberthales, da die Bevölkerung im endlosen Jubel ihre Freude in den mit Lorbeerzweigen, frischen Wein andeutenden, gezierten Osterien ausläßt und ihre Lebenslust austobt — an einem dieser Tage war es, daß sich der Hohepriester zu einem Morgengange durch Rom entschloß, um selbst ganz "sorgenfrei einmal seines Lebens froh zu werden, und unter Bettlern, frei von der Furcht vor Vergiftung, eine Klostersuppe zu verzehren. Nachdem er frühe am Morgen die Messe gehört und allein einige Male sein Loggie auf und ab geschritten war. sprach er zu sich selbst: „Heute will ich mir wieder einmal einen sorgenfreien Tag machen. Heute sind es gerade drei Jahre, daß ich auf den Stuhl Perri gesetzt ward. Drei Jahre sind verflossen, tn denen keine drei Tage Ruhe und Freundlichkeit dem Oberhirten der Christenheit gegönnt waren. Heute will ich einmal für den ganzen Tag tn jene glücklichere, unterste Menschenschickte hinuntersteigen, in die Tiefe des Oceans. wo eine ewige Ruhe in ewiger Dämmerung waltet. Heute soll mir mein karges Mittagsmahl wieder einmal vor dem Kloster besser, als die Kraftspeisen meines Koches munden. Die Bettelsuppe in sicherer Rube schmeckt besser, als der Leckerbissen in ewiger Todesfurcht." Bald nach diesem Selbstgespräche verließ er, in einen zerlumpten Bettlermantel gehüllt, den Vatican und wanderte durch die Lungara in Trastevere der Kirche 8t. pietro in Zlontorio zu. Au seinem Erstaunen bemerkte er eine ganz ungewöhnliche Anzahl von Bettlern dieselbe Straße ziehen und sich noch beträchtlich vermehren, als er aus dem Thore getreten war, wo der Weg sich