Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11 (November 1855)
- Date
- 1855-11-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Pabst EirtuS V. ». d. Shytoksage. 389 Felir Peretti, Cardinal de Montalto, und zuletzt, unter dem Namen von SirtuS V., Träger der dreifachen Krone auf dem Stuhle Petri Er war es. der im kurzen Zeitraum seines Papates — in nur fünf Jahren — seine verfallene Hauptstadt zu neuer Blüthe, und nn ganzen Kirchenstaate Gesetz und Ordnung aus unerhöner Verwirrung zur Herrschaft erhob. Er war es. der die zügellosen Banden der Condottieri bändigte, ihre Führer und die Barone, in deren Sold sie standen, niederwarf, und somit die überall gefäbrdete Sicherheit des Eigenthums und der Person in dem Grade wieder herstellte daß man durch das ganze Gebiet, wohin sein Arm reichte, sein Geld in offener Hand, wie man sich ausdrückte, über die Heerstraße tragen konnte. Er hauchte dem zerrissenen Staate neues Leben ein, indem er dem Rechte Achtung, der Ordnung Vertrauen, und ihren Verächtern, jenen Uebermüthigen in ihren festen Spelunken, heilsamen Schrecken einflößte. Allein damit begnügte der große Geist sich nicht, überall in seinem Reiche die gesetzliche Ordnung wieder herzustellen; auch auf die Wiederberstellung der alten Pracht und Kunstwerke in seiner Hauptstadt war sein Augenmerk gerichtet. Er richtete sie von Neuem auS dem Schutte, in dem sie vergraben waren, auf; er erhobene—^ Obelisken und Göttercolosse: die mächtigen Werke der meilenlangen Wasserleitungen wurden von ihm wieder brauchbar gemacht und strömten nach langen Jahrhunderten des Verfalls von Neuem der ewigen Stadt ihre wohlthätigen Fluthen;u. Der Fremde, der Rom durchwandert, muß billig erstaunen, wenn er den Namen dieses ausgezeichneten Papstes an den meisten der restaurirten alten Bauwerke und Bildnereien wahrnimmt. So ist nock beute und auf alle Zeiten, die diese Werke der Kunst und der Wohlfahrt nocb dauern werden, fast das ganze, weite Rom, Zeuge der Wirksamkeit jenes Heroen während der fünf Jahre seiner Regierung, und seines Ruhmes ewiger Nachhall. — Und dennoch bilden alle diese, in die Äugen springende Thaten des Mannes in Vergleich mit jenen unsichtbaren, sittlichen Umwandlungen seines Volkes und Staates, nur ein unbedeutendes Moment feiner Thätigkeit; sie erscheinen neben diesen nur wie Nebenprodukte seiner Erholungöstunden! DieM zu würdigen, muß man sich den ehemaligen Zustand der Verwilderung Italiens vor seiner Regierung am Ende des Mittelalters lebhaft vergegenwärtigen. Daß nicht stets der Stand der Moral auf gleicher Höhe mit z Kunst und Wissenschaft sich erhalte, ja, daß sogar letztere um Z elfterem in einem schneidenden Gegensätze sich befinden könne, davon kennen wir kein rederderes Beispiel, als eben Italien im 16.