Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1855)
- Date
- 1855-10-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Reeenfioneu. Stande, den Sinn der heil. Schrift nach dem Geiste ihrer Urheber zu erfassen. Wer z. B. den Namen der Gottheit als ein zugleich aktives und passives Sein deutet, verdreht den ganzen Sinn der heiligen Schrift und des darauf von jeher beruhenden Glaubens." Schon hier ist etwas unklar. Zwischen einem Spinozisten, der Lehre nach, die er für wahr hält, und einem Erklärer dcv h. Schrift, welcher den Spinozismus in ihr entdecken will, ist doch wahrlich ein großer Unterschied. Wir können uns reckt wohl vorstellen, daß jeder Spinozist, trotz seiner persönlichen Meinung, fähig sei die Bibel vom Standpunkte ihrer eigenen Abfassung zu erläutern, so gut wie jedes andere Werk, das dem Spinozismus fern steht. Wen Hr. L. im Sinne hat, ist uns nicht deutlich; vielleicht Spinoza selbst. Wer beachtet denn jetzt nocb dessen Ansichten von der biblischen Theologie als solcher? Wir glauben, daß es nothwendig ist, einer solchen Polemik einen erkennbaren Gegenstand zu geben, zumal auch die Bemerkung, wegen deS Zweckes der Augen schwerlich verstanden wird. 2. Der Glaube an Lohn und Strafe schon in diesem Leben; denn „wer sich gewohnt seine Erfolge seiner eigenen Klugheit zuzuschreiben, kann die Bibel nicht nach ihrem Sinne auffassen, sondern muß sie deuteln." Auch dies begreifen wir nicht. Die persönliche Beschränktheit hat nichts mit der Erklärung der Schriften ____zu thun^ zu dieser gehört nur ernste Forschung, und der Gottesleugner sogar kann die gläubigsten Werke im Sinne der Verfasser erklären. 3. Der Glaube an Wunder, und an die Verkündigung derselben. „Wer diesen Glauben nicht hegt, mun nothwendigerweise.die Bibel ganz unrichtig auffassen, z B. wer die Geschichte vom Manna für unglaubhaft hält, muß annehmen, sie sei gar nicht in der angegebenen Zeit geschrieben, indem sonst das Volk nicht das Buch mit solchen Fabeln angenommen hätte; muß also die Abfassung in späte Zeit verlegen, eben so wie die Verkündigung des Iesaiah. in Betreff des Cyrus. DaS ist wohl wahr. Allein es frägt sich, wieso diese Kritik dem Verständniß des Inhaltes zu nahe treten müsse. 4. Die Wahrhaftigkeit der Erklärung, fern von Nebenzwecken oder einer Absicht, in der heil. SchF. etwas zu finden, das nicht darin steht. Diesen Satz müssen wir unbedingt unterschreiben. 5' Die Kunst sich in die Vorzeit so gut als möglich zu versetzen, insbesondere Abweisung selbstsüchtiger oder eueler Zwecke, um dem Zeitgeiste zu schmeicheln. Wir wissen nicht.