Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1855)
- Date
- 1855-10-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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854 Die ZukunstSlehre d. Offenbarung 1) in der Theorie, durch die Lehre der Schöpfung der Materie; 2) in der Praxis, durch die Basis der sittlichen Freiheit. Also hebt dort die Offenbarungslehre den Mvthus und das Philosophen:, dieses Doppelgcwächs aus Einer Wurzel, aus seinem Boden, und schleudert es weg; und corrigirt hier den theoretischen Zweifel an der Realität unserer eigenen Sittlichkeit und Freiheit, durch das gleiche Dogma; unser bloß moralischer Instinkt wird zu einem eracten Erkennen gesteigert. Während im Heidenthume des Menschen Ebenbildlichkeit mit seinen Götzen hervortritt, tritt in der Offenbarung die Ebenbildlichkeit mit dem Gotte, dem einigen Schöpfer allen Fleisches und aller Geister, in unsere Erkenntnis So verschieden nun beiderlei Ursprungslehren der Weltschöpfung sind, eben so verschieden haben sich denn auch hüben und drüben die Zukunftslehren unserer Gattung gestaltet. Im Heidenthume ist alles Freude und Herrlichkeit im Anfange des Menschengeschlechtes; aber der Fortgang ist ein fortwährender Verfall, und das Ende totaler Untergang; umgekehrt ist der Gang in der Offenbarung; hier ist der Anfang, wie die Tage unserer Kindheit, schwach und prunklos; aber der Verfolg ist ein stätes Fortschreiten, ein Emporsteigen zu stets höherer Stufe der Sittlichkeit und Weisheit bis zum endlichen SHlusse, dem Gottesreiche auf Erden. Ist im Heidenthume das Paradies uns im Rücken, so liegt es in der Offenbarung als Ziel unsers Strebens vor uns! Dort ist es ein unwiderbringlich verlornes Paradies; hier ein noch zu erringendes durch Arbeit und Mühsal. Deßhalb klingt durch das alte Heidenthum schon der Ton der Klage und der Verzweiflung über ein verlornes Gut, ein versunkenes Glück; in der Offenbarung aber wird dem strebenden Menschengeschlecht in seiner Mühsal eine herrliche Zukunft verheißen. Hören wir nur die Klage der Verzweiflung im Hesiod: Möcht' ich doch nicht dem fünften Mcnschenalter, dem ärgsten Angehören, und sterben zuvor, oder nimmer gezeugt sein! und Horazes Trauergesang: Unserer Väter Geschlecht ein ärgerer Schlag hat gezeugt uns Schlechtere, der nun bald zeugt die verruchtere Brut! Wir haben nicht nur die Quelle, sondern auch die. aus ihr fließende Strömung des zweiten BestandtheileS der bestehenden Zntunftlehre aufzudecken gesucht. Mr sind so thörichr nicht, zu glauben, mit unserer strengen Deducnon eine Verständigung mit unserm Ankläger erzielt zu haben; aber das denken wir, daß wir