Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1855)
- Date
- 1855-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ErK« Artikel. Ausdrucksweise geschrieben sind. Würden solche in deutscher oder m gemeiufaßlicher hebr. Sprack« gesprochen werden sollen, sicherlich würden die meisten Lvna^oqenbesucher mit Verwunderung oder Entrüstung ausrufen: „wie, sotten wir ferner Gebete aussprechen vor dem Herrn, vie «uf ganz andere Verhältnisse hinzielend, in unserem Munde wie eine Anklage gegen Gott erscheinen?" — So rufen wir den Kührern der Gemeinden zu: wie kennet Ihr es verantworten, d^ß gerade die „I^6(;twn ltakko- 6escd," die »Sepkatk emetk^ durch Unwahrheit entheiligt werde? — Was erwiedert ihr hierauf? — „Jene Gebete sind durch ihr Alter geheiligt!^ — Wir fragen dagegen, ist ver gesunde Menschenverstand nicht nock älter? — Jene Gebete sind einige Jahrhunderte alt; von der Logik aSer kann man sagen, was der Midrasch von der Tora sagt, rnß sie älter sei als die Welt. — Kann Unwahrheit geheiligt werden? — Wenn ihr vor Gott betet, er möge Verfolgungen ^u-Eud»e_ gehen lassen und Verfolger bestrafen, die beide nicht wehr find; wenn ihr,— wir wollen gar nickt reden von Deutschlasd, wo das Zwielicht unserer bürgerlichen Zustände noch einige Klage verträgt, — wenn ihr in Krankreich, in Belgien, ea Holland, sowie in allen Staaten, üt denen längst die volle Gleichberechtigung unerschütterlich festgestellt ist. wenn ibr in E-gland, wo jüngst der Geist der Verbrüderung aller Culte eiün, wahrhaft messianischen Triumph gefeiert, indem die Hauptstadt einen jüdischen Mitbürger zur höchsten Bürgerwurde berief; ja. »enn ihr sogar in den nordamerikanifchen Freistaaten, deren heiliger Boden niemals durch Märtvrerblut befleckt wurde — wenn ihr in allen diesen Ländern immer und immerfort?sr Gott Trauerlieder anstimmt über Zurücksetzung^« des Glaubess willen, während ihr Dank- und ZuteUieder anstiwmen solltet, daß der Herr ench in Ländern geboren werden ließ, wo ibr als Juden frei das Haupt erheben, wo ihr in allen ebrenvollea Laufbahnen, welche das Leben dem Menschen und Bärger eroGret, ungehindert mit allen anderen Staatsangehörigen wetteifern vürfet und sollet, — so, behaupten wir, kann solche Thorheit n«r durch einen Umstand entschuldigt