Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 9 (September 1855)
- Date
- 1855-09-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129727--1290-3131905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schulwesen. daS gefetzte Wesen abgehen, welche dem „daal kadsjitl»,^ dem Manne, der einem eigenen Hauswesen vorsteht, eigen zu sein pflegen. — Die Erfahrung aus jüdischen Kreisen hat dieses vollkommen bestätig?. Namentlich waren in früheren Zeiten die unverbeira theten Lehrer, die sogenannten „vaekurim," gewöhnlich Subjekte vom leichtesten Caliber. Sie scherwenzelten und schmarotzten in der ganzen Gemeinde herum, waren die lebendige ^ekronique sl?anti«z!euge," aßen Lebkuchen und tranken Ligueur bei ven „kLesimm," besonders bei den ^Tesm >tk,« und bezahlten diese Aufwartung, indem ste mit allerlei Geschichtchen aufbrieten und ren Patronen die Patrontasche mit Pfeilen der Derläumdung anfüllten. Dieses erbärmliche Gesindel ist nun freilich, wenn auch nicht ganz, doch zum großen Tbeile vom Zahne der Zei: verzehrt worden. Allein da es nur zum Theile wahr ist, daß der Mensch die Verhältnisse umgestalte, denn zum größeren Thei! wird er von ihnen umgestattet, so wird auch den unverheirateten israelitischen Lehrer immer in der Gemeinde eine gewisse Haltungslosigkeit charakterisiren; er wird, nicht von einer eigenen Familie angezogen, von diesem und jenem reichen Hause sich angezogen fühlen, und zum Schmarotzer werden ehe er eS ahnet: geistig höher stehend als seine alten Vorgänger, wird er moralisch züm „Laeker^ herabsinken — ein Verhälmiß, welches für ihn, für feine Schule, wie für die Gemeinde, von den schädlichsten Folgen begleitet ist. Wir wissen es wohl, daß es in vielen, namentlich kleineren Gemeinden das Unmögliche verlangen heißt, ihre Lehrer so zu stellen, daß sie eine Familie ehrbar ernähren köninen. Ja, wir wissen, daß gar manche jüd. Lehrer, bei sehr kleinen Gehalten, oft von nur 100 Thlr.. leichtsinnigerweise heiratben. und nach nicht langer Zeit sich mit Weib und Kind in das größte Elend gestürzt sehen. Das Religionslehrerwesen bedarf daher, in dieser und gar mancher anderen Beziehung, einer gründlichen Umgestaltung, ein Gegenstand, der zu ernst ist. um tier in Kürze abgehandelt zu werden, und auf den wir daher in einem besonderen Artikel zurückkommen wollen. Allein wenn es kleineren Gemeinden schwer ankömmt, ihre Lehrer bis zur genügenden Ernährung einer Familie;u besolden, so fällt der Vorwurf doppelt und dreifach auf die größeren Gemeinden zurück, bei denen diese Möglichkeit gegeben ist, und die, im grellen Widerspruche mit Gesetz und sittlichem Herkommen, dennoch auf nnverbeirathete Lehrer ausgehen, ja. bei Ausschreibung ihrer Stellen dieses sogar zur unumgänglichen Bedingung machen. Eine benachbarte, respectable, aufgeklärte Gemeinde, in deren Mme sogar Cantorat