Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 8 (August 1855)
- Date
- 1855-08-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Mittheilungen. men, fondern diejenigen, die ihr Entstehen verursacht und die armen unschuldigen Israeliten nicht allein mit dem Munde und mit bloßen Reden, sondern auch mit der Hand und durch schreckliche Handlungen verfolgt haben. — Daß unsere Vorfahren durchaus kein Gefallen an Verwünschungs- und Rachegebeten hatten, beweisen ja am Besten unsere älteren Gebete, wie sie in unseren üblichen täglichen Gebetbüchern vorkommen, die mit Ausnahme weniger, in späteren sehr schlimmen Zeiten entstandenen, auch nicht eine einzige*) Spur hiervon in sich fassen, obgleich auch damals Israel viele, sowohl politische als religiöse Feinde und Gegner hatte, die aber niemals so grausam gegen es verfuhren, als dieses im Mittelalter der Fall war. 2. Zn unserer Zeit, in welcher gottlob fast allenthalben die schlimmen Verfolgungen gegen uns aufgehört haben, so daß viele Ausdrücke und Ergüsse in den Selichoth und noch andern späteteren Gebeten auf unsere jetzigen Verhältnisse nicht mehr passen und sie noch herzusagen eine Lüge wäre, wir auch auf einer höhern Stufe stehen, um wegen noch mancher unS mehr innerlich als äußerlich drückenden Zurücksetzungen, oder sogar wegen der allerdings noch schweren Leiden unserer Glaubensgenossen in manchen Ländern, aus die Weise, wie unsere Vorfahren im Mittelaller uns zu Gott zu wenden; endlich wir außerdem auch andere Mittel und Wege haben, um unsere gekränkten Gefühle zu äußern, sowohl in Schriften und Vorstellungen, als auch in den öffentlichen Organen, wobei unsere Worte in so vielen Herzen unserer christlichen Brüder einen starken und mächtigen Widerhall fanden und immermehr finden werden — sind daher auch alle Israeliten, der verschiedensten religiösen Richtungen, hierin einig(?), daß derartige Gebete, die im Entferntesten nur Rache und Haß enthalten, ausgeschieden werden müssen, wie dieses denn auch in den, für den verbesserten Gottesdienst, abgefaßten neuen Gebetbüchern bereits schon vielfach geschehen, und in vielen Gemeinden, in welchen man zwar noch die alten Gebetbücher ohne Abänderung beim Gottesdienste gebraucht, solche Gebetstücke und Stellen ausgelassen werden. Da aber dennoch, waS nicht ju leugnen ist, in sehr vielen Gemeinden, noch Alles, waS einmal in diesen Gebetbüchern steht, ohne Unterschied, .?V'2'V7! — Freilich verwünschte hier Israel die Feinde m seiner eigenen Mitte — aber jede Verwünschung im Gebete ist einer reinen XeUgionSauschauung unwürdig, und nimmer zu vertheitigen. — Asmerk. d. Red.