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Der israelitische Volkslehrer · 1855-08-01 · Heft 8 (August 1855) · page 15

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 8 (August 1855)
Date
1855-08-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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v. Oberrabbiner vr. Kahn. 293 gefügten ungerechten Leiden auch unter den Christen fanden, — werden wir es ihm, von seinem Standpunkte als Christ, zu gut halten, wenn er seine Brochüre mit der Hoffnung schließt, daß bald erfüllt werden die Verheißungen Hos. L, 5 und Zach. 12, 10 und solche auf christlich-messtanische Weise deutet. Wir hingegen sind fest überzeugt, daß endlich in Erfüllung gehen werden diese und viele andere Verheißungen, und vorzüglich die Zes. l 1 und Zach. 14, 9, in ihrer einzig wahren Bedeutung, daß nämlich die ganze Erde voll sein wird von der Erkenntniß des einig einzigen Gottes, und Er als der König der ganzen Erde von allen Menschen anerkannt werden wird. — An dieses Referat knüpfe ich folgende praktische Bemerkungen : 1. Die so vollkommene wahre Vertheidigung der Selichoth, die Michaelis in Beziehung auf das Anrufen, selbst der göttlichen Rache über die ungerechten Verfolger und Bedrücker, auf so menschliche natürliche Weise äußert, kann vielen philantropisch gesinnten Israeliten zur Belehrung dienen, die wegen solcher und ähnlicher Ausdrücke in den Selichoth gänzlich den Stab über diese brechen, ihren gänzlichen Werth absprechen und sie sammt und sonders, auch die vielen vorzüglichen, aus dem Gotteshause bannen wollten, und hauptsächlich auS Befürchtung, mann konnte es auch noch uns in unserer Zeit übel nehmen und uns deßhalb zurücksetzen in unsere Rechten, weil unsere Vorfahren in den früHern Zeiten der schrecklichsten Roth, ihrem Gotte, der allein ihre Hoffnung und Zuflucht war, ihre so fürchterliche Roth aus voller Brust in den lebhaftesten Ergüssen ohne Übertreibung klagten, und ihn um AbHülse, in welche sie auch öfters Bestrafung der harten Unterdrücker mischten, baten. Wahrlich, kein, nur menschlich fühlender Sterblicher, — er möge Israelit oder nicht Israelit sein, — kann unsern Vorfahren dieses verargen und noch welliger es uns entgelten lassen wollen Bewährte sich denn damals nicht der talmudische Spruch: NS2 d^tt?N1I „Israels einzige Kraft bestand blos in seinem Munde." d. h. in seinem Gebete! Sie wären wahrlich entweder mehr, als Menschen, Engel, oder weniger als solche, fühllose Geschöpfe, gewesen, wenn sie alle diese unbeschreiblichen Leiden und Verfolgungen so hingenommen, ohne daß sie ein Rachegefühl, dem sie durch Gebete Luft verschafft, empfunden hätten! Bei der Beurtheilung dieser und ähnlicher Gebete, müssen wir unS daher in die Zeit ihrer Entstehung zurück versetzen, und wir brauchen unS wahrlich derselben nicht zu schä-

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