Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1855)
- Date
- 1855-07-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129725--1239-3131852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»»dscha». durchdringe», daß die Synagoge z» Frankfurt am Main es war, welche, nachdem die Brüder von der älter«» Richtung von ihr sich abgewendet, für die benachbarten großen Gemeinde» den Antrieb 5« einer durchgreifenderen Reform gegeben habe. Orgel (deutsch Hastara), größere Anzahl deutscher Gebete, einmaliges Beten der „Trfilla" und dergl. wären ohne Voravtritt einer bedeutenden Gemeinde in den übrigen Gemeinden nicht durchgedrungen; ja, selbstunserbettübenderZwiespaltgereichtdenSchwestergemeinden zum Segen, indem dort beide Parthieu lernen,lieber einen?heil ihrerWünscheaufzugebeo.als den Frieden der Gemeinde zu stören. Nichtsdestoweniger bleivt der Gemeinde Mannheim der ungeschmälerte Ruhm, die erste zu sein, in welcher eine entschiedenere CultuSreform mit solcher Einhelligkeit zu Wege gebracht wurde.— Der Abend- »nd MorgengotteSdienst ging in feierlicher Andacht, in gehobener Stimmung und unter nicht genug zu rühmender Präcifiou der Gesänge von Statten; besonders ansprechend war das „I-^ds und ein deutsches sIZ am Abend. Die Orgel begleitete die leise gebetetea Stellen mit einem Andacht fördendea Pianisfimo, was auf uns bei ollen Stellen außer der ,^eKua" einen guten Eindruck hervorbrachte; bei letzterer sollte nämlich, nach unserem Gefühle, eine unbedingte Stille obwalten, damit die Seele in ihrer Unterredung mit Gott auch durch keinen äußerlichen Ton abgezogen werde. Die Leistungen des VorbeterS, Herrn Gailenberg, müssen wir iybeud hervorheben; er ist mit einer kräftigen, sonoren Stimme begabt und gibt fich alle erdenkliche Mühe in die neue Ordnung sich einzuleben. Schade, daß derselbe nicht zum Bortrage deutscher Gebete zu verwenden ist; denn u» dieser Beziehung scheint unS dem Rabbiner in Mannheim zu viel Funktion zugewiesen zusein. De?Rabbiner wahre fich seinen hshen uud schönen Berns, nur Lehrer, „Rabbi", Meister des Wortes zu sein; „ministriren" sollte er so wenig als möglich — da wir am Tadcln find, so dürfen wir nicht verhehlen, daß der Singsang der langen Thoravorlesung iu dem sonst so würdig geordneten Gottesdienste lähmend auf die Andacht einwirkte. — Man erzählte unS von einem wackeren Mitgliede deS dortigen SynagogevratheS, welches, als die Frage über die Einführung deS dreijährigen EykluS von dem Rabbiner augeregt, aber entgegnet wurde,daß wer eine kleine Stelle unverstanden anhören könne, solches auch bei einer dreifach größeren vermöchte —-das treffende Gleichuiß machte: es halte jemand es wohl a»S, während weuiger Minuten seinen Arm gerade auszustrecken; so bald er aber ermüde, so fühle er in jeder neaen Minute das Lästige aller früheren doppelt und dreifach nach." Wir hoffen daher, daß diese Reform in Mannheim Ach selbst ihren Weg bahne» werde. — Beim MorgengotteSdienst, welcher in zweckmäßiger Weise durch Trennung deS Schacherith vom Musaf, mit dem Vorlesen aus der Tora begann, trug Präger die Hastara (Micha S, 6 ff.) in paraphrastischer Weise vor, und hat dieser Vortrag au Gedankevschwung, lebendig freier Rede uud offevmuthiger Aussprache die Festpredizt »och übertroffen. Die Sabbathpredigt