Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1855)
- Date
- 1855-07-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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vo« Oberrabbiner vr. Kahn. 2S9 jüdischen Bußgebeten hart und lästerlich zu sein scheinen möchten, größtenteils auS den Schriften des alten Testaments genommen und entweder an und für sich selbst einen weitern Umfang in der Bedeutung haben oder durch eine, insonderheit bei den Juden gewöhnliche Synechdochen in einem erweiterten Verstände genommen werden, daß sie nicht aber auf den Heiland und dessen Lehre gezogen werden müssen, sondern insgemein von Abgötterei und falschem Gottesdienste verstanden werden können: besonders, da es die Huden für eine Zierde in der Sprache halten, wenn sie von Sachen mit Worten der heiligen Schrift reden können. Da die Juden in der ganzen Welt zerstreut wohnen und wohnten, so haben sie eS nicht allein mit Christen, sondern auch mit Muhamedanern und Heiden und Götzendienern zu thun und nicht allein mit den heutigen in Indien und China, wo man ebenfalls Zudenschaften findet, sondern mit ehemaligen, als da sind die Römer, über deren Grausamkeit in Verheerung der Stadt Jerusalem unter Tito Vespasiano die Juden in diesen, ihren Selichoth bittere Klagen führen. v) Daß die meisten Stellen, die Christlieb aus den Selichoth als lästernde deutet, von ihm wider deren klaren Verstand verdreht und unrecht gedeutet sind. Dieses weist Michaelis sehr gründlich mit wahrer Sachkenntnis an vielen einzelnen Stellen nach. ____________________________________________ sä 2 entgegnet Michaelis: a) daß in den von Christlieb angeführten 13 Stellen nirgends die Christen genannt sind, fondern er deutet nur die mehrentheils aus dem alten Testamente genommenen und in Kenerattdus termmi» abgefaßten Worte auf sie, gegen welche Deutungen aber die meisten Juden Protestiren und ihren Mißfallen dagegen bezeugen. d) wenn auch gleich in solchen Stellen die Christen nebst Türken und-Heiden mit gemeint werden, so ist doch die Rede daselbst nicht von den Christen, als Christe n, sondern insofern sie daS arme jüdisch eVolk drü cken,ver folg en,m artern und quälen. Auf die Einwendung Christliebs, daß die Juden zwar vor Zeiten verfolgt wurden und eS möchte ihnen vielleicht (wahrlich sehr nachsichtig!) manchmal zu viel geschehen sein; wo aber werden sie jetzt mehr verfolgt, und wo müssen sie mit sich ungerecht handeln lassen? die christliche Obrigkeit beschützt sie und läßt ihnen, wie den Christen Recht widerfahren, — entgegnet er auf folgende sehr wahre und treffende Weise: Aber da die Sellchoth nicht erst gestern und heute gemacht sind, sondern vermuthlich zu einer solchen Zeit, da in Spanien und Portugal das grausame JnquisttionS-Tericht gegen die Juden angegangen