Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1855)
- Date
- 1855-07-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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254 «sskktss im in die verhängnisvolle Zeit, in welcher Staat und Tnnpel den Streichen des römischen Schwertes unterlagen. Zn diesem gewaltigen Kampfe gegen Roms gewaltige Macht gehörte Rabbi Zochanan zur Friedensparthei, d. h. zu jenen einsichtsvollen Männern, die die Vergeblichkeit der Auflehnung und des Krieges gegen Rom einsahen und erkannien.*) Als Tcrrorismus und Pöbelherrschaft in Jerusalem die Oberhand erhielten, ließ er stch> wie im Trakt. Gittin 5K, d. erzählt wird, durch List noch vor Daß übrigens Rabbi Iochanan den Sacka! nicht etwa in den Zeiten der Gefahr diese FriedenSgesinnung annahm, sondern schon von lange her grundsätzlich die Auflehnung gegen Rom mißbilligte, dürfte aus einer andern dunkeln, der Erläuterung bedürftigen Stelle.deS Talmuds zu entnehmen sein. Zu Trakt. Joma 39. d. heißt es also: ^ZTIN NM^N 1'7N '121 ^MN N'2N PIN SN1P MV N 1^? v?2N1' "1?12 1^ ^N^O N1NNS2 ^DL7 12 'M PNI' -jQV ^Z?2V 7^71^ ^121 2^W7 Diese düükele Stelle dürfte auf folgende Weise aufzufassen sein. Nach Analogie aller Staaten und Völker in der alten und neuen Zeit ist mit Sicherheit anzunehmen, daß seit der Entstehung und Consoldirunq der römischen Herrschaft in Judäa einer Parthei unter den Israeliten sich bildete, die mit aller Macht bestrebt war, die römische Herrschaft abzuschütteln. (Vgl. meinen Aussatz über einige dunkle Mischnaiot in ten Sprüchen der Väter im Januarhefte 1854 dieser Zeitschrift Seite 25 ff.) Diese Parthei wuchs natürlicherweise an innerer Stärke und Gliederzahl, je mehr die Herrschaft RomS kck fühlbar machte und drückender wurde. Ungefähr 49 Jahre vor der Ze-ftörnng des TemrelS wollte Petronius das Bild des Kaisers Caligula im Tempel aufgestellt wissen, welches Vorgehen von Seiten RomS a!S das religiöse Gefühl und Bewußtsein der Juden abtastend und beleidigend, der KriegSparthei sicherlich viele Anhänger zuführte. Bekanntlich galt in Rom als religiöses Gesetz, daß.in KriegSzeiten die Thore des JanustemvelS offen stehen mußten. Hierin liegt die Erklärung der erwähnten dunklen Talmudsstelle. (Vierzig Zahre vor der Zerstörung des Tempels ^?I'NN ssv^dtv wurden die Thorr des Tempels von selbst geöffnet. Dieses O«jst»en der Thore ging heimlich von der KritgSparthei. die namentlich unter De? faaanschen und tapferen Priesterberrschaft großen Anhang haben mochte, aus; lu d»esem Oeffneu der Thore des Tempels oder besser in deren Offen- Vehen zur ungewöhnlichen Zeit lag eine Demonstration von Seiten der Kriegsvarthet qezen Rom und geqe?, tie einh-imische Fri^d. nSparthei. Rabbi Iockanan *???! Vergeblichteit einer Auflehnung gegen Rom einsehend, gab s,me Sntrüstuug über diese kriegerischen Demonstrationen kund — PII IPV 1)7 die Vergeblichkeit eines bewaffneten Widerstands gegen Rom aussprechend: 7^ ^2^7, ^2^71 ES wäre also an zu entnehmen, daß Rabbi Jochanan ben Sakai stets und grundsätzlich zu der FnedenSvartei zählte.