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Der israelitische Volkslehrer · 1855-07-01 · Heft 7 (Juli 1855) · page 12

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 7 (Juli 1855)
Date
1855-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«Ver die Judenftage. S49 erklärt? — Freilich, die katholische Kirche macht kein Hehl daraus, sie erklärt sichfür die allein feligmachende. Nun, wenn ihr den Himmel für Euch aNein in Anspruch nehmet, warum wollet Ihr unS nicht wenigstens auf der Erde, auf diesem Iammerthale, von dessen Werth das orthodoxe Christenthum so wenig halt, nicht unseren geringen Antheil in gleicher Berechtigung gönnen? Ist das der Fortschritt des Christenthums, daß die Juden (und die Christen) unter den Heiden gleichberechtigte Bürger waren, während uns nun die Christen, unsere Milchbrüder, die aus Einer Brust mit uns den Saft des Lebens trinken, die Ebenbürgerlichkeit verkürzen wollen? — Herr Rulaud führt an, das christliche Princip gebiete: „Gebt Gott, waS Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist," ohne zu merken, daß er mit diesem Satze seines Meisters sein eigenes System über den Haufen wirft. Denn der Sinn jenes Ausspruches ist kein anderer, als das Anrathen der Trennung der Kirche vom Staate. „Kümmert Euch um den Geist und um das Geistliche, überlasset die Welt und das Weltliche dem weltlichen Regiment!* So ist's gemeint; und deutlich lehrt ja Jesus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Contrastirt mit diesem Satze, der ganz aus dem Wesen des ChristenLhums geschöpft ist, nicht aufs Grellste das Princip deS christlichen Staates? Ist der Staat specifisch christlich, ist es das Dogma, welches ihn in allen seinen Theilen „durchsäuert." wie kann dann noch gesagt werden, „mein Reich ist nicht von dieser Welt?" Wird der Glaube, der specifische Glaube an Christum, als die einzige Pforte erklärt, welche in das Himmelreich führt, heißt es nicht, jene Pforte vom christlichen Standpunkte aus erniedrigen, wenn man ste zugleich als die einzige zum Ständesaal erklärt? — Dennoch müssen wir Herr Ruland Dank zollen für seine Kundgebung: denn, indem er das Dogma als das Specificum deS Christenthums angab, m Folge dessen nur die Nichtchristen auszuschließen seien, fo hat er eo ipso damit zugestanden, daß dieS ttten lehre des Christenthums keine specifische sei, und daß die sittlichen Zustände der Juden sie vollkommen würdig machten, neben ihren christlichen Brüdern, als Vertreter deS Volkes zu fitzen. Das ist schon

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