Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1855)
- Date
- 1855-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Bayerische Kammer-Derhandlungen Biel. „An ihren Fruchten sollt ihr sie erkennen." Wenn aber da« christliche Dogma wirklich so staatenbildend Ware, so müßte e» dort, wo seine Herrschast in unbestrittener Alletnheit besteht, die erste Bedingung eines wahrhaft glücklichen StaatslebenS, die Hebung der sittlichen Zustände, im höchsten Grade gewährleisten. Sind aber die Sittenzustanoe z. B. im Kirchenstaate, allwo die Zuden, ln Folge des beliebten und belobten christlichen StaatSprincipS, zu Rom noch im Ghetto wohnen, wirklich von so blühender An und Weise? — Wir überlassen die Antwort hierauf der aufrichtigen Gesinnung des geehrten Redners. — Herrvr. Ruland kommt dann in seiner zweiten Rede, «achdem er wohl einsah, daß das Princip des christlichen Staates in der Kammer nicht recht zünden wollte, auf einen alten, abgedroschenen Satz zurück, worin zuvor sein Freund, Herr vr. Sepp, übereinstimmt, womit er aber nichts destoweniger den Eindruck seiner Worte nur abschwächt, nämlich: „Die Juden seien keine Deutsche. Uns scheint Herr Ruland auch hier ein Wort gesprochen zu haben, welches er, wohl überlegt, besser bei sich behalten hätte. Denn dieser zweite Ausspruch kann mit dem ersten, vom „christlichen Principe" unmöglich zusammen geben. Ist die römische Kirche deutsch? Ist sie vor allem deutsch? ES wird dieses von vielen Seiten bezweifelt. Jedenfalls nennt sie sich selbst eine allgemeine. Sie erkennt ein Band an, welches über die engen Grenzen des Landes und Volkes hinausgeht und von menschheitlichem Charakter ist. Auch das Judenchum ist kosmopolitischer Natur. Wir sind keine Nation mehr; wir sind eine über die ganze Erde zerstreuete Religionsgemeinde, welche durch dieLehrederEinheit die ganze Menschheit mit einem ^"^1^^^ umschlingen will. Das ist unser religiöser Standpunkt. — WaS unser Deutschthum betrifft, so wollen »ir, was tleinstaatlichen Kastengeist und beschränkte Weltanschau- »ng betrifft, gern keine Deutsche sein; was aber Lebensweise, Sitte, Liebe zur Muttersprache. Anhänglichkeit für den heimatlichen Boden und Begeisterung für die Größe Deutschlands betrifft, — und wir glauben, dieß seien die rechten Momente, um die es sich der Mühe lohnt zn wetteifern — da wolle eS Herr