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Der israelitische Volkslehrer · 1855-06-01 · Heft 6 (Juni 1855) · page 38

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6 (Juni 1855)
Date
1855-06-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Rundschau. 235 Herr vr. Heß, der greise Oberlehrer unserer Gemeindeschute, von seinem Amte ab. Derselbe bat diese Schule von ihren ersten Anfängen an, da sie eine an Umfang noch unbedeutende, aber im Keime schon viel verheißende Anstalt war, bis zu ihrer jetzigen Blüthe und Ausdehnung begleitet, wo dieselbe von 6—700 Kindern besucht wird. Selten hat ein Mann, in einer langen Reihe von Jahren, eine so tief eingehende Wirksamkeit in einer Gemeinde ausgeübt, als eS demselben, im Vereine mit unserem verewigten vr. Creize nach, gegönnt war. Nahezu die ganze Gemeinde verdankt unmittelbar der Gemeivdeschule, mittelbar ihrem, nun in den wohlverdienten Ruhestand übergehenden Oberlehrer, ihre Bildung und geistige Richtung. Merkwürdiger Weise hat Herr vr. Heß mit Kampf und Abwehr von der neuen Zeitbildung widerstrebenden Elementen seine unermüdliche Thätigkeit begonnen und beschlossen. Seine, von gesegnetem Erfolge begleitete Mitwirksamkeit für den Neu bau unserer Gemeinde-Synagoge ging aus dem tiefen Bewußtsein hervor, daß jene Elemente nur durch Kräftigung des religiösen Lebens iu der Gesammt-Gemeinde zu besiegen seien, und hat derselbe dadurch sei-es früheren Verdienste» die Krone ausgesetzt. Möge die Muße ihm süß, und an der Seite einer würdigen Gattin, noch viele Jahre vergönnt sein! — Zu gleicher Zeit wird Herr vr. Stern, aus Berlin hierher berufen, in die Oberlehrerstelle eintreten. Die Schute gewinnt an diesem, praktisch und schriftstellerisch bewährten Manne, eine neue, rüstige Kraft, und auch unsere Gemeinde darf sich der frohen Hoffnung hingeben, daß der neue Oberlehrer da anknüpfen werde, wo der abgehende aufgehört, und derselbe, bei der^ntschiedenen religiösen Gesinnung, welche seine Schriften durchweht, bei dem bisher lebhaft kund gegebenen Eifer, die Grundideen deS IudenthumS in Israel zu erhalten, auch hier, unter Würdigung der Zustande, das religiöse Leben werde fördern und den IndifferentiSmuS, welcher nur durch die Begeisterung der Kinder für den Glauben der Väter gründlich zu heilen ist, werde überwinden helfen. Wir heißen ihn in unserer Mitte herzlich willkommen! — AuS Mainz wird uns der jüngste Hirtenbrief des dortigen Bischofs mitgetheilt, worin folgende Stelle vorkommt: „Wie das Judenvolt seinen Beruf auf Erden verloren hat, als es den MesfiaS kreuzigte, so hat das deutsche Volk seinen hohen Beruf für das Reich Gottes verloren, als eS die Einheit im Glauben zerriß, welche der heil. BonifaziuS gegründet hatte. Seitdem hat Deutschland fast nur mehr dazu beigetragen, das Reich Christi auf Erden zu zerstören und eine heidnische Weltanschauung hervorgerufen." — Indem wir die Erwiederung dieses Angriffs auf die Reformation protestantischen Federn überlassen, haben wir unserseits, auf die schnöde Erwähnung des »Judenvolks." nur zu entgegnen, daß wir nach Lesung jenes Hirtenbriefes uns, wenn dies an and für sich nöthig wäre, anfs Neue hätten überzeugen müssen, daß das Iudenvolk feinen Beruf auf Erden noch nicht verloren babe. Denn dieser heilige Beruf b-st,ht darin^ alle heidnische», trennenden Elemente abzuweisen, und durch die

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