Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1855)
- Date
- 1855-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über das neue Gebetbuch / - VII. Die israelitische Gemeinde zu Wien. Bei der Gründung des Tempelgottesdienstes zu Wien hatte man ursprünglich, wie auch sein Name besagt, den Hamburger —Tempel alS Vorbild im Auge, und wurde. die Frage in ernstliche Erwägung gezogen, ob nicht ein mehr oder weniger deutscher Gottesdienst daselbst zu begründen sei. Man entschied sich aber dafür, den alten Ritus mit nur sehr wenigen ModisicatLonen beizubehalten, denselben jedoch mit möglichster Feierlichkeit und Würde zu umkleiden. So besteht dieser Gottesdienst seit einer Reihe von Zahren, und ist. mit Ausnahme der Abstellung der Piutim, von denen in die dortige Gebetordnung nur für Neujahr und VersöhnungStag eine mäßige Anzähl, von herrttcheis^Üebersetzungen begleitet, aufgenommen ist — formell und principiell Alles beim Alten geblieben. Worin aber der Tempel zu Wien für so viele Gemeinden Oesterreichs, Deutschlands und anderer Länder maßgebend, ja als ein wahrhaft strahlendes Vorbild erscheint, das ist die Vortragsweise der hebräischen Gebete. Dieselbe ist, unter Beibehaltung ihres ursprünglichen Charaeters^^^k^ Weise so geregelt, daß sie nicht nur daS Gemüth des Israeliten auf heimischem Boden mächtig ergreift, sondern auch den NichtiSraeliten zu dem Geständniß zwingt, es habe das mittelalterliche Judenthum, mitten in seinen Leiden und Verfolgunzen, aus sich selbst heraus in unmittelbar schöpferischer Weise, voll tiefer Innigkeit, wehmüthig klagend und doch wieder freudig in Gott, das Synagogenzesangswesen in bewunderungswercher Mannigfaltigkeit gestaltet. Freilich beruht die zeit- und kunstgemäße Darstellung dieses originellen GesangswesenS aus der großen Begabung des Mannes, in dessen Hände das dortige Cantorat gegeben, und der in seiner Weise als unvergleichlich in Vergangenheit und Gegenwart zu nennen ist. Allein es muß auch der dortigen Gemeinde nachgerühmt werden, daß sie ihrem Cantor mit allen notwendigen Mitteln, namentlich in Besoldung seiner GeHülsen und beimeffen. nachdem wir. von religiöser Verpflichtung gevrunqen. daS Ar, dettSverbot an demselben für unverbindlich erklart haben. — 3. Die Piutim großemhe.lS aus Sephardischen Stücken, was auch dieses Buck. den, Hamburger Sivdur, vielen Gemeinden entfremden wird.