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Der israelitische Volkslehrer · 1855-04-01 · Heft 4 (April 1855) · page 40

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4 (April 1855)
Date
1855-04-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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Rundschan. 168 das Haupt der J-schiba seinen Bortrag lNlSMN N2^N) abgehalten, als die gelehrten Zuhörer, besonders die Bachurim in Harnisch, in Handgemenge mit einander geriethen, als d''e eine Hälfte als Opponenten, die andere als Defensoren des Portragenden, mit scharfen Geisteswaffen kämpften, da war eS der Selige, der, nach seiner lebhaften Aussage, als der heftigste Opponent nicht nachgebend, endlich daS Schlachtfeld behauptete, so daß ihn daS Oberhaupt der Jeschiba öffentlich vor der ganzen Zuschauerschaft, und besonders der neidischen Bachurim, zum graduirten Hochschule? erklärte. Derselbe war und blieb dann noch längere Zeit mit andern Mitschülern im engeren Bunde, die stets zu größerer Nebung unter sich Nachlesehielten in öffentlichen Porträgen, die fie unter sich im engern Kreis abhielten. Ich sah mehrere geschriebene Bände des Verewigten aus dieser seiner Jugend-Periode. — Als a ndere Kämpfe die Stadt Mainz bewegten, dle Franzosen sie belagerten und einnahmen, da zerstoben die Jünger der Wissenschaft in alle Welt, die Tractate des babylonischen Talmuds wichen den diplomatischen Tractaten der Politik. Auch der Verewigte, obgleich mit vielem Bedauern, verließ Mainz, gürtete seine Lenden und suchte den heimatblichen Heerd wieder auf, wo er in Bretten, einem benachbarten und den Bezirk seines Vaters afsiliirten Orte sein Wohnzelt aufschlug. Hier lebte, hier Lehrte, hier wirkte er, zuerst im Namen seines Vaters, rann nach dessen Tod se!beständig einen langen Zeitraum von 60 Jahren. Als ihm vor vielen Jahren daS Rabbinat Bruchsal durch den Tod des Rabbinen Pelta Epstein (Vaters des verstorbenen badischen OberrathS Epstein) übertragen werden wollte, schlug er es aus, mit den Worten: N'l7Md< Mehrere von ihm hinterlaffene Manuskripte beweisen zur Genüge, daß sein Geist Beschäftigung mit der jüdischen Literatur suchte und liebte. Obgleich früher gewöhnlich nur au zwei Sabbathen des Jahres öffentliche Vorträge gehalten wurden, wozu noch höchstens am *7i*?d5 N''^Z) tin Vortrag auf dem Friedhofe kam, so genügte er doch den Anforderungen der Zeit darin, daß er bei Trauungen und Confirmationen aus freiem Willen previgte. So strenge er gegen sich selbst war, so milde, so sanft und tolerant bewies er sich gegen Andere und Andersdenkende, von der Ueberzeugung ausgehend, daß das Verdammen und Verketzern die Zustände nur verschlimmere, die man doch verbessern wolle. Standhaft in seiner von seinem strengorthodoren Bewußtsein getragenen Ansicht wurzelnd, war er redlich und versöhnlich genug, die entgegenstehende Anficht mit Ruhe, mit Unparteilichkeit, den fremden Standpunkt im Auge behaltend, zu prüfen, sie mit ehrlichen Waffen bekämpfen. — Mit seinen Amtsbrüdern der ältern wie der neuern Richtuna stand er m vielseitigem Briefwechsel, Alle suchten sein Gutachten wegen casuistischer Dinge (N'Q^M N^tt^l, wie ihn überhaupt keine Frage unserer Zeit unberührt ließ. Mehrere jüngere Rabbinen empfingen von dem Vrewigten nach vorausgegangener Prüfung ihre RabbinatS-Diplome, und erhielten ihm bis in seinen Tod ein dankbares Andenken. Geachtet und geehrt wie er war, genoß er auch ein seltenes Glück in seiner Familie. Eine edle Gattin zur Seite, war es ihm, seinem tiefgefühlten Wunsche gemäß, vergönnt, drei seiner Töchter an Rabbinen verheirathet zu sehen. Ju den letzten Jahren nahmen seine Kräfte sehr ab, obgleich er seinen Dienst noch dabei versah, bis er am 29. Dezbr. sanft entschlief. Sein Leichenbegängnis fiel auf und war sehr feierlich. Seine drei Tochtermänner, sowie die Herren Raööinrn Willstadter und A l t m ann aus Karlsruhe hielten Leichenreden an seinem Grabe und würdigten Jeder nach seiner Weise die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen

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