Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4 (April 1855)
- Date
- 1855-04-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau. ä» dem Lehrer selten goutiren. — Eine natürliche Folge dieser Uebelstände ik der fak gänzliche Mangel an Rabbinats- und Schulamts, Kandidaten, «nd die häusige Auswanderung junger Lehrer ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung. Gingen doch Gemeinden, die ich nennen könnte, so weit, die streiten, und zwar waren es „fromme" Gemeinden , die dieses pharacnische „er möchte sich vermehren" (7721' s2) nachahmten, und die sich entsetzen, wenn sie hören, dieser oder jener Rabbiner habe irgend einen Unfug in der Synagoge abgestellt, over dieser oder jener Lehrer wolle nicht mehr die unentbehrliche (!) jüdisch-deutsche Schrift in seiner Schule lehren ,c. — Unsere sociale und politische Stellung ist nicht minder eine unerquickliche. Noch lastet das heillose Matrikelwesen, beispiellos in der cLvilisirten Welt, aus uns; die Ansässigmachung auf ein Realrecht hat man, in Ermangelung eines vorhandenen Gesetzes, aus höhern polizeilichen Rücksichten unS untersagt; die lähmenden Bestimmunzen über den Betrieb vieler Gewerbe bestehen fort — traurige Dinge? — Möchte ich Ihnen in meinem nächsten Bericht Erfreulicheres mittheilen könne»! — Baden. — Bretten. — (Nekrolog.) Wir haben noch eine Pflicht der Pietät zu erfüllen gegen einen trefflichen Mann, der vor einigen Monaten zu den Vätern eingesammelt wurde, gegen einen ehrwürdigen Seelenhirten, der so lange Zeit seinem Bezirke als ächter, würdiger Geistlicher vorgestanden, der mit seiner religiösen Denkweise dem vorigen Jahrhundert angehörte, aber durch seine Leutseligkeit, Toleranz gegen Andersdenkende in seinem ganzen Leben dem Grundsatze huldigte : ll)? NIM N2^ — Der Veterane der badischen Raböinen, BezirkS.Rabbiner Veit Flehinger in Bretten, ist xiIH den 28. Dezember gestorben und den 31.dess. MtS. bestattet worden. Derselbe war geboren den S. Thamus (5529) 1769, hat mithin das hohe Alter von 85 Jahren erreicht. Ein Sohn des frühern Rabbinen Isaak Flehinger, und Neffe des in der rabbinischen Welt des vorigen Jahrhunderts bekannten R. Simon Flehinger, früher in Mühringen, im Schwarzwald, später Oberland Rabbiner in Darmstadt, begab sich der tiefverständiae Jüngling, ausgerüstet mit den nöihigen Vorkenntnissen in den rabbinischen Doctrinen, auf die damals blühende jüdische Hochschule zu Mannheim, wo er mehrere Jahre mit Talmudstudium und PoSkim zubrachte. Interessant war es, den ehrwürdigen Greis zu hören, wie er mit jugendlichem Feuer auS seinen Jugenderinnerungen seine und anderer Hochschule? Jeschiba-Erlebniffe mittheilte. Er bildete gleichsam in dieser Gegend das Lagerbuch von Traditionen aus dem verblichenen vorigen Jahrhundert. Von Mannheim begab er sich auf die noch größere und srequentere Hochschule Mainz, wo er sich in mehrjährigem Studium vollends zu seinem svätern Beruf, als Geistlicher »nd Volkslehrer zu w-rten, ausbildet.-. Mit Thranen der Rührung erzählte er. wie er an einem Sabbath von der niederen Klasse der Hochschüler zu den höhern, graduirten emporgestiegen. Einst an einem Sabbath Hagadol, als