Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1855-04-01 · Heft 4 (April 1855) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4 (April 1855)
Date
1855-04-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3129675-3129718-3129722--1104-3131714
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gespräch zwischen eiaem Rabbiner »nd einem Laie« lauben solcher herkömmlich für Sunden gehaltenen Dinge, wenn eS auch nach Religion und Gesetz mit bestem Gewissen von den Rabinen geschehen könnte, sei doch nutzlos und nachtheiltg; nutzlos, weil Orthovore, wie Nichtorthovore nach den Erklärungen der Rabbiner heute sich nur so lange richten, als fie mit ihren vorgefaßten Meinungen übereinstimmen; nachcheilig, weil die Orthodoren den Rabbiner selbst, der so etwas erlaubt, was sie selbst freilich im Drange des Lebens sich gestatten, aber nach dem Schulchan Aruch verboten sei, kurzweg als einen Irreligiösen ansehen, dem sie alles Vertrauen entziehen; und andrerseits es gefahrlich sei, an dem schon wankenden Judenthume noch mehr zu rütteln und selbst Seitens der Hüter der Religiös Erleichterungen auszusprechen, die denjenigen, welchen Alles eine Last ist und die gar Nichts mehr vom Zudenthume bestehen lassen möchten, nur willkommene Borwände und Stützpunkte gewährten, um mit dem Einen Alles abzuwerfen. L. Das scheint mir eine irrige Ansicht. Während die Rabbiner in frommer Absicht das Judenchum zu halten vermeinen, wenn sie Alles gehen lassen, wie es geht, unterwühlen sie es eben durch solche Passivität gewissermaßen selber. Denn erlauben sich die Leute eigenmächtig Etwas, was nach ihrer Meinung die Religion verbietet, weil es ihrem Erwerb, ihrem Genuß, ihrer Bequemlichkeit u. s. w. hinderlich ist, so setzen sie sich nach und nach über AlleS hinweg, was ihnen in der Religion unbequem ist, ohne Rabbiner und Gesetzesausleger zu fragen. Wer unterscheidet dann noch zwischen Schale unv Kern? Wer bestimmt dann die Grenzen, wo die Leidenschaft, die Ehr- und Geldgier, vor dem religiösen und moralischen Gewissen noch Respecr ha:? Muß dann nicht unvermerkt und schnell das Gebäude des positiven Judenthums und mit ihm die ganze Religiosität, die ganze Sittlichkeit zusammenstürzen? Wenn das rabbinische und mosaische Zudenthum bereits, wie Sie sagen, tatsächlich wanke, so kann man doch wahrlich nicht der Thätigkeit der Rabbinen die Schuld davon beimessen. Sie haben ja das Joch des RabbinismuS nicht im Mindesten zu erleichtern gesucht. Aber gerade weil fie ihre Autorität nicht im wohlverstandenen Znteresse der Religion geltend gemacht, als es noch Zeit war, hat das materielle Leben ihrer Autorität und dem Judenthume den erschütternden Stoß gegeben. — Doch ich komme auf meinen besondern Gegenstaad zurück. Ich muß Ihnen gestehen, ehe ich das erste Mal «ick rasirea Ueß. sah ich mich noch einmal in dem ^I-elnt (Sündenbekenntmß am Versöhnungstage) um, und da ich in dem ganzen Al-!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.