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Der israelitische Volkslehrer · 1855-04-01 · Heft 4 (April 1855) · page 19

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4 (April 1855)
Date
1855-04-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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542 Bayerische Kammerverhandlungen ten, weil sie die Rechte der Gemeinden nicht genügend gesichert hielten, gegen die Emancipation stimmten, in der vorliegenden Frage nicht nur für die Juden, sondern auch für das Zuden- Hum auS. Seine Worte, welche dem Herzen, jedes Israeliten wahrhaft Wohlthun werden, lauten: / „Meine Herren! Die Gebote, welche im mosaischen Gesetzbuche stehen, haben wir auch, und der, welcher der Stifter unserer Religion war, hat wiederholt bestätigt, daß man auch den Nächsten lieben soll, wie sich selbst, und daß das zweite Gebot d?m ersten gleich sei." „In den heiligen Büchern, welche die Israeliten stets unversehrt erhalten haben und noch ängstlich erhalten, ist das Gedot: Brich dem Hungrigen dein Brod, und entziehe dich deinem dürftigen Bruder nicht; es heißt serner: den Fremdling sollst du nicht verstoßen, denn gedenke, daß du Fremdling in dem Sklavenhause Aegyptens warst." »Personen, denen ihr Gesetz solche Grundsätze zur Pflicht macht, können nicht als unwürdig betrachtet werden, auch an andern politischen Rechten Theil zu nehmen." »Ueberdieß hat sich bei den Bekenner« des Mosaismus durch die Vieles ausgleichende Zeit gar Manches zum Bessern gewendet." »Ich habe Gelegenheit gehabt, seit fünf Jahren, wo die Frage der Gleichstellung mit den Christen zur Sprache kam, in diese Verhältnisse einzugehen, und habe gefunden, daß in neuerer Zeit viele der talmudischen Tradition und Gebräuche abgekommen, viele irrige Ansichten verschwunden sind, und in religiöser Anschauung manche Aenderung eingetreten ist. Zch habe mich besonders um mehrere Einzelheiten und frühere Vorurtheile erkundigt, und könnte es mit Daten belegen, daß z. B. am Versöhnungstage, wo auch den mosaischen Bekennern das Gesetz vorgehalten wirv. manche bedeutende Summen, die man unredlich erwarb, wieder erstattet werden. Endlich haben die Israeliten an allen Lasten Antheil und tragen sie mit den Christen gemeinschaftlich. Wenn in früherer Zeit auch hie und da Erzesse vorgekommen sind, so mag man sie damit entschuldigen, weil sie ein unterdrücktes Volk waren. Das Gefühl des Unterdrücktseins hat offenbar dahin gewirkt. Dieses Gefühl liegt in der Natur, und schon den Thieren ist es gegeben, daß sie sich um ihre Eristenz, um rhr Leben wehren. Ich glaube aus vollem Herzen, d-m Antrage deS Freiherrn v. Lerchenfeld zustimmen zu können."

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