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Der israelitische Volkslehrer · 1855-04-01 · Heft 4 (April 1855) · page 15

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4 (April 1855)
Date
1855-04-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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188 Bayerische Kammerverhandluagen aber, weil der Radikalismus dahin strebt, dieses Gleichgewicht zu zerstören, ist er mir durchaus verhaßt, ist er meiner Natur auf daS allerentschiedenste antipathisch. Aber meine Herren! Gerade darum, weil mir die radikale Richtung verhaßt ist, ist mir der radikale Jude um kein Haar mehr verhaßt, als der radikale Ehrist. Und deßhalb kann ich hier diesen Grund nicht zulassen, denn er entscheidet nichts: der Jude ist nicht als Jude radikal, sondern eS gibt radikale Juden, wie eS radikale Christen gibt, und wie es in jedem Glaubensbekenntnisse radikale Leute gibt. Ja, ich gestehe Ihnen, weine Herren! im Gezentheile ganz offen, ich finde bei den Juden den Radikalismus viel entschuldbar??, als bei den Christen, denn der Druck hat sie dazu gebracht, sich gegen jede Gewalt aufzulehnen, und diesen Druck haben eben wir seit fünfzehn Jahrhunderten gegen sie »uSgLÜbt. Daß das Judenthum nicht im Widerspruche steht mit dem Christenthume, das glaube ich wahrhaftig an dieser Stelle nicht erörtern zu sollen. Wenn es aber nicht im Widerspruche mit dem Christenthume steht, so ist auch dadurch, daß einige Individuen des Judenthums hier als Vertreter von Einigen, die sie für die Geeignetsten halten, sie zu vertreten, dadurch, daß einige Juden in diesem Saale sitzen, das Christenthum, die Christlichkeit des Staates in keiner Weise gefährdet." „Ich habe schon zuvor erwähnt, meine Herren! Ich habe die Ueberzeugung, daß alle moderne Bildung, daß die ganze Civilisation. wie sie seit dem Etscheinen unseres Erlösers sich entwickelt hat, auf dem Christenthume beruht. Und gerade darum habe ich auch die Ueberzeugung. daß die Juden heutzutage sich den Einflüssen der christlichen Ideen eben so wenig entziehen können, als andere Menschen. Die Juden sind heutzutage nicht mehr diejenigen, die sie in den vorchristlichen Zeiten waren. Und schon deßhalb kann ich die Gefahr, die man auS den früheren Zustanden, wie sie sich gezeigt haben, als die Juden noch ein geschlossener Staat für sich waren, herleiten könnte, unter den jetzigen Verhaltninen nicht mehr als statthaft anerkennen." „Meine Herren! Ein ganz anderer Gesichtspunkt ist eS, den ich si»r den entscheidenden halte. Das ist der der Religiosität. Zeder Mensch, der nicht religiös ist, der nicht feste religiöse Grundsätze hat und diese ganz entschieden festhält, ist der Staatsgesellschaft gefährlich und verderblich. Und deßwegen würde ich, wenn es Mittel gebe, den irreligiösen Menschen von der Thettnahmean den öffentlichen Angelegenheiten auszuschließen, aufs Entschiedenste damit einverstanden sein. Ich begreise sehr gut die Znschnft, welche über der Thüre des Versammlungshauses in

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