Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4 (April 1855)
- Date
- 1855-04-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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über dip Iudekfrage. Aber, meine Herren! wie verschieden ist die Auffassung selbst unter unS, selbst unter denjenigen, die sich Christen nennen, über das, was das Christenthum von uns verlangt? Fragen Sie die Bekenner der verschiedenen christlichen Konfessionen, so werden Sie gan; verschiedene Ansichten hören. Ja noch mehr, fragen Sie in demselben christlichen Glaubensbekenntnisse die einzelnen Individuen, so werden Sie gar sehr verschiedene Ansichten hören. Und sollen dann wir, soll eine politische Versammlung am Ende darüber entscheiden, welches die richtige Ansicht vom Cbristenthum ist? Dann, meine Herren! würde dieser Saal zu einer Kirchenversammlung werden, und es würden Leute über Grundsätze entscheiden, die wenigstens zum größten Theile nicht dazu berufen sind. Wir würden Fragen entscheiden müssen, zu deren Entscheidung die Kompetenz uns entschieden gebricht. Also von diesem Gesichtspunkte aus kann ich wenigstens auf die Erklärung des christlichen Staates durchaus kein großes Gewicht legen. Ich glaube, daß der christliche Staat darin besteht, daß alle Angehörigen desselben von den Grundsätzen des Christenthums innig durchdrungen sind, und daß alle Einzelnen nach dieser Ueberzeugunz consequent handeln. Also für mich stellt sich die Frage von einem ganz anderen Gesichtspunkte aus dar. Für mich heißt daher die Frage blos: sollen einige Juden — denn eS handelt sich doch um diese, sonst um Niemand—die durch das Vertrauen ihrer christlichen Mitbürger, die doch in der Regel uberall die Majorität bilden, dazu berufen werden, in diesem Saale ihre Interessen zu vertreten, hier zugelassen werden ^der nicht? - »Meine Herren! dagegen wird in der Regel eingewendet: der christliche Staat zunächst und dann der Radikalismus der Zuden stehe hier im Wege. Meine Herren! Ich gestehe Ihnen, mir ist der Radikalismus so verhaßt, als nur irgend einem Menschen. Zch habe letzthin schon meine Ansicht von dem Leben des Staates dargelegt. Zch glaube, daß das Leben des Staates wesentlich auf dem Gleichgewichte deS konservativen und progressiven Elements, des aristokratischen und demokratischen beruht. Und eben deßhalb bin ich der eifrigste und entschiedenste Anhänger der konstitutionellen Monarchie, weil ich glaube, daß in ihr dieses Gleichgewicht am entschiedendsten festgehalten werden kann, weil ich in ihr daS einzig mögliche Mittel sehe, diese Aämpfe der bemerkten Elemente immer so in Schranken zu halten, die Partheiea immer so zu mäßigen, daß eines nicht ein entschiedenes Uebergewicht über das andere gewinnt, und dadurch die Freiheit und das Leben deS Staates zu Grunde richtet. Deßhalb