Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4 (April 1855)
- Date
- 1855-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129722--1096-3131706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bayerische Kammerverhaudlungen mMeine Herren, nebmen Sie mir es nicht übel, und deuten Sie eS mir nicht als Leichtsinn und Frivolität, aber der Ausdruck: „christlicher Staat," bat für mich immer etwas Unheimliches, etwas, waS mich anwidert, gewiß nicht vom Standpunkte der Frivolität, ich glaube vielmehr, daß eS eine Prosanation, eine Anmaßung ist, wenn wir behaupten wollen, wir seien ein christlicher Staat. — Meine Herren, wir wollen Alle zu Gott beten, wir wollen uns Muhe geben, um so christlich zu werden und zu bandeln, als es in unsern Kräften steht, aber ob wir das Ziel erreichen, das steht nach meiner innigsten Ueberzeugung nur dem Unheil eines Höheren zu, der die Herzen prüft und der nach ganz anderen Gründen urtheilen dürfte, als wir es zu thun im Stande sind. Meine Herren, das Christenthum besteht eben nicht blos darin, daß man sich für einen Christen erklärt, sondern, daß man als Christ handelt. Nicht das Sagen macht es aus, sondern das Thun*). Das ist einer der ersten Grundsätze: »auS den Handlungen sollt ihr sie erkennen und nicht blos auS dem Sagen. Nicht, wer Herr! Herr! spricht, sondern wer die Gebote des himmlischen Vaters erfüllt, wird in sein Reich eingehen." Meine Herren, wie Viele nennen sich Christen und handeln demungeachtet wie Heiden. Meine Herren, der christliche Staat kann nur da bestehen, und nur derjenige kann ein solcher sein, ws Alle von den Grundsätzen des Evangeliums durchdrungen find, wo Alle nach diesen Grundsätzen consequent in allen Verhältnissen handeln. Ob wir nun das sind, das wollen wir hoffen; allein mit Bestimmtheit aussprechen und behaupten, das möchte ich nicht wagen." „Nach meiner Ueberzeugung beruht die ganze moderne Bildung aus dem Christenthume und alle moderne Civilisanon ist auS dem Christenthume hervorgegangen. Ich kann mir wenigstens ohne Christenthum einen Staat absolut gar nicht denken, und in so ferne ist mir wenigstens jeder modern-civilisirte Staat ein christlicher Staat, aber auch nur in so serne. Gerade daraus geht hervor, welchen kläglichen Eindruck es machen muß, von einer Civilisation solcher Wölker sprechen zu hören, welche dem christlichen Prinzip gegenüberstehen, wie es beut zu Tage so oft geschieht. Eine dem Christenthume fremde, entgegengesetzte Gesetzgebung schließt nach meiner Ueberzeugung jeve wahre Civilisation auS, wie die Erfahrung der neuesten Zeit zur Genüge lehrt? Dieie« genau entsprechend lehren unsere Weisen: LN^N ^7 NLPVN 8?d< «nicht das Studium deS Gesetzes ist die Hauptsache, sonder» die AsSntsng." — D Red