Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1855-04-01 · Heft 4 (April 1855) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4 (April 1855)
Date
1855-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3129675-3129718-3129722--1089-3131699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

und «asere Stellung zu demselben. L2S mit religiöser Wärme zu erfüllen und sie für daS Heiligthum ihrer Vergangenheit, für dessen Erhaltung und Fortbildung zu begeistern. Sie verlangt von den jüdischen Bekennern Interesse für das jüdische Alterthum, aber aus keinem andern Grunde als dem, weil es ihr Alterthum, Theilnahme für den Aufbau der Mischen Wissenschast, weil es ihre Wissenschaft, gleichsam ihr Nationaleigenthum ist. Sie unterläßt es aber—und vermag es nicht — dieses Interesse im Namen der Religion anzurufen, auf diese Theilnahme als auf eine sittlich-religiöse zu verpflichten. So lange sie aber nur die Kenntniß des Judentums und nicht das Judenthum selbst, die geschichtliche Erinnerung der väterlichen Religion und nicht die väterliche Religion selbst unter uns erhalten und beleben will, wird sie darauf verzichten müssen, unsere Theilnahme als eine sittliche und religiöse in Anspruch zu nehmen. Denn nur wenn die Religion die Gegenwart beherrscht, wie sie einst die Vergangenheit beherrschte, und nur wenn Vergangenheit und Gegenwart ganz oder zum Theil auf gemeinschaftlichem religiösen Boden stehen, kann für die Kenntniß der Vergangenheit um der Gegenwart willen ein religiöses Interesse geltend gemacht werden. Die Gegenwart ist die Vermittelung zwischen Vergangenheit und Zukunft; die Blüthen der Gegenwart sind die Saaten der Vergangenheit, deren reife Frucht erst die Zukunft ernten wird. So ist es mit den Werken der Menschen, vor Allem mit den Thaten der Geschichte. Und so denkt, so handelt der schaffende Geist deS Menschen. Je umfassender sein Verstand, je klarer sein Blick, desto mehr achtet er darauf, daß der feste Bau der Vergangenheit die Gestaltungen der Gegenwart stütze, damit sie in die Zukunft hinein segenreich wirken. Aber ohne Rücksicht und ohne Theilnahme für die Gestaltungen der Gegenwart, sich lediglich für die Vergangenheit um der Vergangenheit willen interessiren, das mag noch immer die reine Liebe zur Wissenschaft um der Wissenschaft willen ihren Jüngern gebieten, aber diese Liebe ist alles religiösen Inhaltes leer und ledig, um sich auch der Theilnahme deS Volkes empfehlen zu können. Das Volk kann sich nur für seine Religion interessiren und für AlleS, waS mit ihr in naher oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.